Sein Abenteuer auf der fernen Insel ist beendet, doch die Sage geht weiter. Er muss sich nun der schwersten aller Prüfungen stellen, um zu beweisen, dass er die Feder genauso gut beherrscht wie die Klinge. Doch zwischenzeitlich rief ihn das Schicksal auf eine andere Insel, belagert von untoten Kreaturen und einer intriganten Handelsfamilie. Mehr darüber demnächst...

Montag, 13. Februar 2012

"Swordmasters Mittelalter-Review" Teil 4

Heute wurde meine Ausrüstung für das kommende Live-Rollenspiel vervollständigt. Dazu war zwar ein Trip nach Hamburg nötig (bei der Gelegenheit habe ich aber auch kurz in Lübeck und Kiel vorbeigeschaut - wozu hat man denn ein SH-Ticket?), wo ich mich dann nach kurzem Weg zum Mytholon-Lagerverkauf durchgeschlagen habe. Kurz deshalb, weil ich dank Google Streetview genau wusste, wo ich hin musste - ich weiß, es gibt das schon länger, aber ich finde es unheimlich faszinierend und zugleich nützlich. Schade nur, dass zwar die Großstädte wie Hamburg oder Düsseldorf fast vollständig abgedeckt sind, aber von Kiel und Lübeck nur die Panorama-Blicke existieren. Aber wie dem auch sei, ich kam dort an - und mir sagte man, dass man eigentlich immer auf habe... außer Montags! Es waren also zwei Charisma-Würfe notwendig ("Können Sie nicht mal eine Ausnahme machen?"), damit sie mich doch bedienten. Aber es hatte sich gelohnt. Kleidung, Ausrüstung... Jetzt kann die "Rote Drachen" Con kommen.

Und auf dem Nachhauseweg - über Lübeck, wo ich mir einen Berliner mit Niederegger-Marzipan holte, und Kiel, wo ich meinem Lieblings-Laden "Sandys British Foods" einen Besuch abstattete - fiel mir gerade ein, dass ich euch eigentlich noch eine Review schulde.

Aber dazu kommen wir später.

Zunächst einmal steht ein Film aus, den ich nun auch zum zweiten Mal gesehen habe, der allerdings auch beim zweiten Hinsehen überzeugte - wenn ich auch "Ironclad" abzüglich Kameraführung besser finde. Dieser Film hat thematisch sehr viele Ähnlichkeiten mit "Ironclad" - es spielt auch in Großbritannien, es geht auch um sieben Leute, die sich durchschlagen, und der Gewaltgrad unterscheidet sich in beiden Filmen nur marginal. Auch hier wird gemetzelt, verstümmelt und abgeschlachtet, was das Zeug hält. Allerdings erwischt es hier nicht die Engländer, sondern die, die damals versuchten, auf der Insel Fuß zu fassen - die Römer.


"Centurion" (2010)

Oder auch: "'öme'! Ganz viele tote 'öme'!"

Wie jeder weiß, der Asterix gründlich gelesen hat, war es den lateinisch quasselnden Horden um Julias "Ich benenne einen Monat nach mir" Cäsar nicht genug damit, Europa zu erobern - die britischen Inseln wollten sie sich auch noch unter den Nagel reißen. Zu diesem Zweck schickten sie Legion um Legion rüber, um dort mal zu lüften. Da gab es aber welche, die mochten das nicht: die Pikten. Und so entbrannte ein Krieg, in dessen Verlauf unter anderem der Hadrianswall errichtet wurde und die römische 9. Legion auf bis heute ungeklärte Weise spurlos verschwand. Zu gerade diesem Thema entwickelt der Film seine eigene Theorie und bringt das in einem (zugegeben eher antiken als mittelalterlichen) Survival-Actionthriller unter, der an Genreklassiker wie "Beim Sterben ist jeder der Erste" erinnert - aber eben auch an "Die glorreichen Sieben".

Am Anfang lernen wie den Zenturio Dias kennen, gespielt von Michael Fassbender (der soll eine ziemlich große Nummer in UK sein, aber ich kenne ihn nicht). Sein Lager fällt einem Angriff der wütenden Pikten zum Opfer (wobei in einer ziemlich brutalen Szene sogar meinen Eltern ein Licht aufging, wozu wir LARPer die "Klowache" erfunden haben), und der Zenturio selbst wird gefangengenommen. Doch auf seiner Flucht läuft er der berühmten 9. Legion in die Arme, die gerade auf dem Weg in den Krieg ist - angeführt vom General (Dominic West - kenne ich auch nicht) und einer vom Feind übergelaufenen Späherin. Die lockt allerdings die Legion in die Falle - übrig bleiben von dem Blutbad sechs einfache Männer und der Zenturio, die sich fortan durch das ungemütliche Britannien kämpfen müssen, um in Sicherheit der römischen Garnisonen zu kommen.

Und wieder heißt es: "Wir stellen einen Trupp zusammen; mal gucken, was wir schaffen" - das Credo der Rollenspieler. In diesem Fall sind die Rollen etwas anders verteilt. Zwar haben wir den Anführer (die Haupt- und gleichzeitig Titelrolle) und zumindest einen reinen Haudrauf dabei, aber der Rest besteht aus einem Koch (der sich aber als äußerst hilfreich erweist), einen Läufer, einen Veteranen, einen Deserteur und einen Griechen, der aber nur als Ballast mitläuft. Und wenn ich es mir recht überlege, von der Charakterzeichnung alleine könnte man das von fast allen sagen. Ich mag ja seit den letzten Filmen hier arg verwöhnt sein, aber der Film nimmt sich kaum Zeit, dem Zuschauer die Figuren nahe zu bringen - von zwischenmenschlichen Beziehungen ganz zu schweigen. Zugegeben, in den meisten Actionfilmen, die hier in den obersten Punktzahlen landeten, ist das nicht anders - alleine "The Expendables" hielten sich nicht lange mit solchem Schnickschnack auf. Aber das hier ist kein reinrassiger Actionfilm, sondern fährt mehr auf der Thriller-Schiene. Und um die Charaktere kennenzulernen und mit ihnen zu zittern, dafür lässt der Film uns nicht genug Gelegenheit - die meisten von ihnen leben nicht lange genug dafür. Wo wir gerade dabei sind, da fällt mir ein weiterer Film ein, der große Ähnlichkeit mit "Centurion" besitzt: "Predator" mit Arnold Schwarzenegger. Aber selbst dieser Film - ein Schwarzenegger-Actionfilm aus den Achtzigern - hatte mehr Charakterzeichnung als unser heutiger Film.

Und er hatte mehr Action. Das hätte diesem Film allerdings nur geschadet, muss ich sagen - die Schlachtszene am Anfang und die große Schlacht der 9. Legion waren kurz, knackig und dazu da, das Ausmaß der Bedrohung deutlich zu machen. Der Rest ist Schleichen, Verstecken und hinterhältige Fallen - und für genau das wurde "Centurion" gedreht. Seine Stärke ist die Spannung, die er aufbaut - hinter jedem Baum ein Feind, an jeder Ecke kann einer draufgehen (und meistens passiert das tatsächlich). Das gelingt besonders, da die Bösen von der stummen Späherin angeführt werden, die zuvor die Legion überhaupt verraten hatte. Diese Späherin (Olga Kurylenko - die kennt man - leider - aus dem letzten Bond-Film) bekommt genau den Hintergrund und die charakterliche Tiefe, die den eigentlichen Helden in dem Film fehlt. Wenn man dann den Grund erfährt, warum sie nicht spricht, ist man als Zuschauer fast davor, sich auf ihre Seite zu schlagen. Trotzdem erfüllt einen der durchaus sehenswerte Showdown am Ende mit einer gewissen Genugtuung.

Die Action, die man zu sehen bekommt, ist ganz gut - die Kameraführung dagegen eher weniger. Es ist zwar nicht so extrem wie "Quantum of Solace" oder "Ironclad", aber man muss sich schon anstrengen, um mitzukriegen, wer jetzt eigentlich wen tötet. Das hilft allerdings auch ein bisschen, über die sehr drastische Gewltdarstellung hinweg zu sehen, die sich im Vergleich zu "Ironclad" noch etwas in Grenzen hält. Trotzdem, manche Dinge muss man einfach nicht sehen...


Mein Fazit: Spannend ist er. Auch beim zweiten Hinsehen. Freunde großer Schlachten kriegen auch etwas geboten, aber im Grunde spricht der Film diejenigen an, die ihre Freude an Survival-Thrillern haben. Wer allerdings Wert auf charakterliche Tiefe und Figuren, mit denen man sich identifizieren kann, legt, der sollte sich doch besser "Ironclad" oder den "Letzten Tempelritter" ansehen. Unbekannte Schauspieler plus blasse Charaktere - kein Wunder, dass mir keiner im Gedächtnis bleibt.


7/10 Punkte



P. S. Ich sagte es ja schon vorher - also angekündigt habe ich es - aber dieses Mal sollte es wirklich klappen: Bei nächster Gelegenheit ist "Your Highness" dran. Und der kriegt sein Fett weg!

Montag, 6. Februar 2012

"Swordmasters Mittelalter-Review" Teil 3

Es ist jetzt noch ganz knapp ein Monat bis zum Live-Rollenspiel in Tydal - genau die richtige Zeit, um sich mental auf das "Blutbad von Lokenbrück" einzustellen, bei dem es vermutlich mehr als ein paar Dutzend Gelegenheit geben wird, ins Gras zu beißen (zumindest für NSCs wie mich). Da komme ich zumindest zeitweise wieder dazu, Filme anzusehen, die zur Vorbereitung auf das große Event beizutragen vermögen. Einer davon ist der heutige Film - den ich bereits in Teil 1 angekündigt habe:


"Ironclad - Bis zum Letzten Krieger" (2011)

Oder auch: "Wenn euch schon von der Kameraführung von "Robin Hood" schlecht wurde..."


Ein (Gerüchten zufolge) großartiger Klassiker der Filmgeschichte ist "Die Sieben Samurai" - leider habe ich ihn nie gesehen. Besser bekannt ist sein westliches Western-Remake "Die glorreichen Sieben". Manche kennen auch die Star-Wars-Nachklapp-Variante "Sador - Herrscher im Weltraum". All diese Filme haben mit "Ironclad" eine gewisse Grundstory gemeinsam, und das ist eine der großen Stärken des Films.

Hauptrolle spielt James Purefoy, der schon "Solomon Kane" in diesem Blog zu einer hohen Wertung verholfen hat. Hier spielt er einen Tempelritter, der in Begleitung dreier Ordensbrüder durch England zieht und dabei dem König John Lackland in die Quere kommt (gespielt von Paul Giamatti). Dieser hat seit dem verheerenden Bürgerkrieg einen ziemlichen Groll auf den restlichen Adel des Landes und plündert das halbe Land nun mit dem Segen des Papstes (der eh keinen Schimmer hat, was dort eigentlich vor sich geht) und der Hilfe einer Armee dänischer Barbaren (angeführt von Vladimir Kulich, der schon in "Der 13te Krieger" den Wikinger-Hauptmann mimte - manche kennen ihn auch alsa Originalstimme des Heerführers Ulfric aus "Skyrim"). Seiner endgültigen Herrschaft über das Land steht nur noch die Burg Rochester im Weg, die erobert werden soll. Purefoy, Brian Cox als grantiger Baron und fünf Recken, die sie quasi am Wegesrand aulesen, halten mit aller Macht dagegen - und es startet eine Burgbelagerung nach allen Regeln der Kunst, die diesem Film auch den Untertitel "Stronghold - Der Film" verleihen könnte.

Und wie in jedem guten Film für Rollenspieler ist auch dieser geprägt von den Gemeinsamkeiten und Unterschieden der beteiligten Helden. Der kriegserfahrene Bogenschütze, der Weiberheld, der Familienvater, der Schurke und der junge Knappe, den man eigentlich als Ballast mitschleppt, der aber sichtbar im Verlaufe des Films mehrmals im Level aufsteigt und dann am Ende fast so gut kämpfen kann wie der eigentliche Held. Hinzu kommt noch NSC-Unterstützung von ganzen 11 Waffenknechten auf der Burg selbst - und eine "Prinzessin", die sich mangels Zuwendung ihres Ehemanns (Derek Jacobi - na ja, der ist eh schwul...) an den Kreuzritter ranmacht und dann noch überlegt, ob sie nicht mitkämpfen könnte (ja ja... Frauen in heutigen Mittelalterfilmen können und wollen auch alle ein Schwert halten... ^^). Im Verlaufe der Schlachten und auch der ruhigen Zermürbungsphase der Belagerung kann man mit diesen Charakteren sehr gut mitfühlen, und man beobachtet auch zahlreiche Entwicklungen (der Dieb will zum Beispiel schreiben lernen, der Kreuzritter bricht einen Schwur nach dem anderen...).

Im Vergleich zu den bislang besprochenen Filmen ist dies aber ein Actionfest. Gleich zu Anfang machen drei Kreuzritter kurzen Prozess mit ungefähr zwanzig Wikingern (die aber ihrerseits von fünfzig weiteren Wikingern unterstützt werden, was die Chancen doch ins Nachteilige kippt). Als man in die Burg einzieht, wartet auch ein kleines Scharmützel mit den Spähtruppen des Feindes. Und es gibt drei größere Schlachten, als Johns Armee endlich vor den Toren steht - inklusive eines großartigen Showdowns (ein wenig fühlt man sich ob des Realismus und der Atmosphäre an Polanskis "MacBeth" erinnert). Hier geht es mächtig zur Sache - gespaltene Schädel, abgetrennte Gliedmaßen... und ein Kreuzritter, der zeigt, was ein bestätigter kritischer Treffer mit einem Zweihänder bei einem arglosen Kampf-NSC anrichten kann... "Für Kinder bedingt zu empfehlen" wäre eine arge Beschönigung.

Das Einzige, was die BPjM davon abhalten könnte, den Film zu indizieren, ist gleichzeitig der größte Schwachpunkt: die Kameraführung. Nicht, dass die Leute ihren Job nicht beherrschen - in den ruhigen Szenen gibt es an der Kamera überhaupt nichts auszusetzen. Aber wehe, es geht mal etwas hektischer zur Sache! Schon übernimmt der experimentierfreudige 15jährige Neffe des Produzenten mit Youtube-Erfahrung das schwere Gerät (oder macht die Aufnahmen mit seinem Handy - qualitativ sehe ich da keine Unterschiede). Es fehlte nur noch, dass er die Kamera zu sich selber umdreht und ruft "Hallo, hier bin ich!". Leider gibt es auch hierfür eine Erklärung - die Produzenten wollten einen möglichst realistischen Mittelalter-Film drehen. Da es aber damals keine Dokumentationen gab, da es an Kameras mangelte, kann man das wohl kaum als Ausrede benutzen, den Film wie einen mittelalterlichen Bourne-Streifen vollends zu verwackeln. Aber wer wohl am Meisten daran Schuld trägt, dürfte Ridley Scott sein - seit seiner anfänglichen Schlachtszene bei "Gladiator" macht das auch jeder, der sich für ein Genie hält.

Es ist so traurig - der Film hätte zehn Punkte bekommen können, trotz der intensiven Gewaltdarstellung. Der Rest ist topp - die Schauspieler sind klasse, die Musik ist stimmungsvoll, an die überstrahlte Beleuchtung kann man sich auch recht schnell gewöhnen. Aber die Kameraführung macht einem echt die Schlachtszenen kaputt. Wer noch so einen Film drehen möchte, den bitte ich inständig: Nehmt ein professionelles Kamerateam! Und lasst den Regisseur mit Greengrass-Ambitionen ganz zu Hause! Damit macht ihr zumindest mich glücklich!


8/10 Punkte

Montag, 30. Januar 2012

Review: "Drive" (2011)

Oder auch: "Unterhaltsame Actionfilme sind ja sooooo ein blödes Klischee..."


Wer gibt mir meine 100 Minuten zurück? Niemand. Der Film ist hochgelobt, alle sind begeistert, jetzt kommt er auch endlich in deutschen Kinos... und ich hätte es mir denken können. Wenn Leute im Internet schreiben, dass der Film "eine ganz eigene Spannung" aufbaut, kann nur sowas bei rauskommen. "Ganz eigene Spannung" habe ich schon bei "Michael Clayton" gehört, und es kam genau die gleiche Art von Spannung raus: gar keine. Wir haben also nach dem völlig spannungsfreien Gerichtsthriller mit George Clooney (der seit "Batman & Robin" seine Rollenwahl SEHR sorgfältig überdenken sollte) nun einen völlig spannungsfreien Krimi / Thriller mit einer ganzen Menge Drama und in der Hauptsache eine Lovestory, von der allerdings vorher kein Mensch etwas gesagt hat, weil sonst niemand dafür ins Kino gegangen wäre.

Aber es ist nun leider ein "künstlerischer" Film, also ist es genau so gedacht. Der Regisseur wollte jedes Klischee von Thrillern oder Actionfilmen vermeiden, wollte seine Zuschauer provozieren und zum Nachdenken anregen. Er machte genau den gleichen Fehler wie andere künstlerische Regisseure vor ihm, nämlich den, dass manche von diesen Klischees ABSOLUT notwendig sind, sonst taugt der Film in seinem Genre überhaupt nichts mehr. MAn will einen Thriller oder einen Actionfilm drehen? Dann reicht es nicht, zwei (wenn auch beeindruckende) Verfolgungsjagden einzubauen, die quasi aus dem Nichts kommen, und den Rest des Films die Hauptfiguren damit verbringen zu lassen, sich wortlos anzustarren.

Zur Story ist nicht viel zu sagen, für einen derart hochgelobten Film ist sie sehr einfach gestrickt: Ein namenloser Stuntfahrer / Mechaniker (Ryan Gosling), der nachts für Einbrüche und Überfälle den "Driver" macht (Verdammt, ich hätte stattdessen lieber DIESEN Film sehen sollen!), lernt per Zufall seine Nachbarin kennen und verbringt viel Zeit mit ihr. Als der Ehemann der Nachbarin endlich aus dem Gefängnis entlassen wird, muss der allerdings einen Überfall auf einen Pfandleiher durchführen, weil sonst das Leben seiner Familie in Gefahr ist. Der Fahrer macht mit, es geht alles schief, und er muss erkennen, dass er sich mit den zwei Gangsterbossen angelegt hat, die ihn eigentlich als Rennfahrer engagieren wollten.

Aber bis der Film mal in die Gänge kommt... *gähn*. Die erste Szene ist gleichzeitig auch die beste im ganzen Film: Der Fahrer bringt zwei Einbrecher vor der Polizei in Sicherheit. Die ganze Szene, wie er im Auto der Polizei ausweicht, sich vor einem Hubschrauber versteckt und dann doch in einer Verfolgungsjagd endet, erinnert an gute Rennspiele wie "Need for Speed: Most Wanted" oder das gute alte "Driver". Danach... passiert erstmal gar nichts. Die nächste halbe Stunde gibt es vielleicht ein Dutzend Dialogzeilen, ganz lange schmachtende Blicke zwischen ihm und seiner Nachbarin und eine allgemeine Performance von Gosling, die den Anschein erweckt, dass ihm wirklich alles völlig egal ist. Erstaunlicherweise sehen das die meisten Kritiker als gutes Zeichen (Film Brain von That Guy With The Glasses hat das minimalistische Spiel extra angepriesen), aber wenn Steven Seagal sowas bringt, dann wird er gleich als Holzbrett verschimpft.

Mir wurde dann gesagt, ich solle bis zum eigentlichen Überfall warten, weil dann der Film erst losgehen würde. Das waren so gut 40 Minuten, in denen nichts passiert. Dann der Überfall: Ein paar Schüsse, eine Verfolgungsjagd (deren Ende auf eine ziemlich bescheuerte Art und Weise gefilmt wurde, damit auch wirklich JEDES Klischee vermieden wird), dann wird die Hauptfigur langsam gewalttätig. Und das soll wohl der Sinn und Zweck des ganzen Films sein: Das Tempo und die Spannung ao niedrig wie möglich zu halten, damit diese plötzlichen und völlig überzogenen Gewaltszenen so schockierend wie möglich wirken. Ja, super! Ist ja auch echt toll, wenn der Fahrer und seiner Nachbarin erstmal fünf Minuten im Aufzug stehen, sich nur verliebt angucken, sich dann ewig küssen und er ganz plötzlich den Bösewicht, der mitfährt, zu Boden schlägt und ihm den Schädel eintritt.

Zugegeben, die Atmosphäre des Films hat etwas. Aber das kann man auch von "Blade Runner" sagen, der wohl, abgesehen von der völlig unterschiedlichen Atmosphäre (hier gibt es nämlich Beleuchtung) wohl ein Vorbild für "Drive" gewesen sein muss - auch der Film ist todlangweilig. Nach einer Weile fiel mir auch auf, wie man das Tempo so runterdrosseln konnte: Die Schauspieler, besonders der Fahrer und seine Nachbarin, warten immer fünf Sekunden, bevor sie die nächste Dialogszene sprechen oder die nächste Regieanweisung durchführen. Der Gipfel war allerdings die Einstellung kurz vor Ende, wo ich endgültig die Geduld verloren habe: wenn die Kamera ganz langsam an dem Fahrer hochfährt, bei seinem Gesicht stehenbleibt und erstmal zwei Minuten dort verharrt. Was soll das hier sein? "Spiel mir das Lied vom Tod"?

Bedauerlich, dass man hier mit Albert Brooks und Ron Perlman zwei gute Schauspieler verheizt hat, die in anderen Filmen wesentlich bessere Chancen gehabt hätten. Zugegeben, Albert Brooks hat seine Sache ziemlich gut gemacht, während Perlman die meiste Zeit vor der Kamera damit verbracht hat, wie ein Kutscher zu fluchen. Und dann war da noch Christina Hendricks (Saffron aka Mrs. Reynolds aus "Firefly"). Sie spielt tatsächlich genauso wie in "Firefly", ihr Charakter ist zum größten Teil genauso angelegt.


Der Regisseur wollte seine Zuschauer zum Nachdenken anregen, aber er hätte mal selber seinen Grips anstrengen sollen. Was macht einen guten Film aus? Wenn man einen Thriller dreht, muss er spannend sein; ein Actionfilm muss schon einen hohen Actionanteil haben. Dieser Film versagt in beidem. Es gibt auch kein nennenswertes Drama in diesem Film, nur ein paar wie zufällig reingeschnittene brutale Gewaltszenen mit ganz viel Blut, die von überlangen dialogfreien Szenen zusammengehalten werden, die jeder normale Filmemacher bei der Nachbearbeitung rausgeschnitten hätte. Und diese sogenannten Liebesszenen, wo sich die Protagonisten ewig lange anstarren und für drei Dialogzeilen fünf Minuten brauchen, die hätten es echt nicht getan. Künstlerischer Film am Ar***! Wenn ich mir denke, dass "Star Trek - Der Film" im Vergleich zu dieser Schlaftablette der reinste Adrenalinstoß ist, dann sollte man sich echt überlegen, ob man nicht das Genre oder gleich den Beruf wechselt, Herr Regisseur!


3/10 Punkte

Sonntag, 29. Januar 2012

"Swordmasters Mittelalter-Review" Teil 2

Erst einmal frohes neues Jahr!

Da bei uns in der Firma langsam ein Umschwung kommt und die meisten von uns daher noch etwas mehr Arbeit haben als üblich - und da ich somit sehr selten dazu komme, überhaupt etwas zu schreiben - ist das hier jetzt der erste Eintrag seit Monaten. Und ich hatte ja eigentlich vorgehabt, ein paar Filme über das Mittelalter zu besprechen.

Ja, nun komme ich endlich mal dazu, weiter zu machen. Und mit etwas Glück kann ich meinen Chef zu einem freien Tag überreden, damit ich mal dazu komme, auch den Rest der ganzen Filme zu sehen. Und nebenbei will ich mich langsam auf das große Live-Rollenspiel vorbereiten, das Anfang März ansteht. Dort geht in Tydal, nahe Eggebek, demnächst die Post ab.

Jetzt folgt erst einmal eine Kritik zu einem Film, die eigentlich schon seit langem aussteht.


P. S. Vor Spoilern sei gewarnt, dieses Mal komme ich nicht drumherum.




"Der letzte Tempelritter" (2011)

Oder auch: "Kill by any means necessary, Win by any means necessary..."


Gesehen habe ich ihn schon vor einer ganzen Weile, aber seltsamerweise nie einen Blog-Eintrag dazu gemacht. Dabei verdient der Film bei Weitem mehr Aufmerksamkeit, als ihm die anderen Kritiker zugestanden haben. Und warum wurde er von der Kritik so verrissen? Weil Realismus, so scheint es, immer noch sehr groß im Kommen ist. Selbst bei einem Film, der offensichtlich zum Fantasy- oder Mystery-Bereich zählt, auch wenn man am Anfang einen anderen Eindruck bekommen könnte.

Erzählt wird die Geschichte zweier Tempelritter: Nicolas Cage als der langhaarige, tugendhafte Recke mit dem Herzen am rechten Fleck, und Ron Perlman als der große böse Schläger, der an der ganzen Sache einen Riesenspaß haben muss. Sie kämpfen sich gemeinsam durch die Kreuzzüge, ein gewaltiges Massaker an verschiedenen Orten, angeführt von einem Dummschwätzer, der sich für das Sprachrohr Gottes hält. Als sie nach Dutzenden von Schlachten in einer Stadt bemerken, dass auch rücksichtslos Frauen und Kinder dezimiert werden, desertieren sie aus den Reihen der Kreuzritter und kehren nach... ich glaube, Deutschland... zurück. (Sie hätten vorher diesem Chef-Kreuzritter die Nase richten sollen, aber in diesem Film kann man ja nicht alles haben.) Es dauert nicht lange, da werden sie erwischt, und sie erhalten die typische Wahl einer durchschnittlichen Rollenspielgruppe: Knast oder Quest.

Ihr Auftrag lautet, eine vermeintliche Hexe zu einem Kloster zu bringen, wo sie geprüft und verurteilt werden soll. Ein Priester (Unterstützer), ein Dieb (Fernkämpfer, Spurenleser), ein alter Soldat (Kämpfer) und ein Lehrling (Stufe 1 Rothemd) begleiten sie auf diesem Weg, der sie über einen Bergpass (inklusive obligatorischer Hängebrücken-Überreste), durch einen Wald (und einem entsprechenden Random Encounter) und an einem Dorf vorbei führt. Aber mehr noch als der Weg macht ihnen die Frage zu schaffen, wer in der Gruppe das eigentliche Böse ist. Ist das junge Mädchen in dem fahrbaren Käfig tatsächlich eine Hexe? Oder treibt jemand anderes in der Gruppe ein doppeltes Spiel?

Am Anfang scheint die Botschaft recht klar: Die Kirche und ihre Diener schlachten alles ab, was ihnen im Weg steht, und sogar unschuldige Frauen müssen dran glauben, weil irgendjemand laut "Hexe" gerufen hat. Zudem kommt noch die allgegenwärtige Beulenpest, die sogar aus Christopher "Saruman" Lee einen bettlägerigen Knochensack macht. Bis sich am Kloster selber alles aufklärt und die verbliebenen Helden zum großen Showdown blasen können. Man könnte allerdings die Wendung als banal und den Sinneswandel der verschiedenen Charaktere als unglaubwürdig betrachten, aber letzten Endes ist es sogar erfrischend, zu erkennen, dass man sich in einem vermeintlichen Bösewicht doch geirrt hat.

Wobei das absolute Highlight neben einigen recht ansehnlichen Schwertkämpfen und der perfekt zum Mittelalter passenden düsteren Atmosphäre hauptsächlich eines ist: Ron Perlman. "Hellboy" hat die besten Sprüche für sich reserviert, zu fast jeder Situation hat er einen flapsigen Kommentar und bildet so das perfekte Gegengewicht zu Nicolas Cage - der hat zwar auch seine Momente, aber ist meistens damit beschäftigt, für die Gruppe der moralische Kompass zu sein. Nun, soviel sei gesagt: Jeder in der Gruppe macht mindestens eine bedeutende Entwicklung seines Charakters durch. Das kann nicht jeder Fantasyfilm von sich behaupten. Den Rest macht diese Art von Zusammenhalt und Streitereien aus, die Hunderte von jungen Leuten dazu bringt, sich in ihrer Freizeit um einen Tisch zu versammeln und mit komischen Würfeln zu spielen. Die Ähnlichkeit mit Elementen mancher Rollenspiel-Abenteuern ist verblüffend.

Allerdings - und das muss man dem Film auch zugute halten - ist es kein reines Schlachtengetümmel. Der Film hat genauso sehr seine Horror- und Thriller-Momente; im Grunde gibt es nur sehr wenige echte Actionszenen, die sich zumeist auf den Anfang und das Ende konzentrieren. Und wenn es mal zur Sache geht: Nun, die Kampfszenen sind recht ansehnlich gefilmt, wenn es auch manchmal an Beleuchtung mangelt und die Schnitte noch ein bisschen zu schnell sind (Ja, ich meine filmtechnisch, nicht kampftechnisch). Zumindest muss man sich nicht ständig fragen, wer jetzt eigentlich wen messert - erkennen kann man auf jeden Fall alles Wichtige. Im Bereich Spezialeffekte hält sich der Film erfreulich zurück, was ja auch dafür spricht, dass man den Film eher in den Bereich Mittelalter-Horror ansiedeln kann anstelle von Fantasy im Sinne von "Herr der Ringe".

Ein bisschen bemängeln muss ich allerdings das Ende, aber darüber kann ich nicht mehr sagen, ohne alles zu verraten. Aber der Rest des Films ist vollkommen in Ordnung - er hielt auch einem zweiten Blick wacker stand. Was die meisten Kritiker widerrum sauer aufstößt, ist die mangelnde Authenzität der Darstellung. Wichtigtuerische Einträge bei IMDB, in denen sich die LEute darüber aufregen, dass die Hauptdarsteller mit amerikanischem Akzent reden (mir kann es egal sein, die deutschen Stimmen passen da überall rein) oder dass das Thema religiöser Wahn und Hexenverfolgung nicht umfassend genug behandelt wurde... Genau die gleichen Leute, die "Expendables" als langweiligen Actionfilm ansehen. Was erwartet man von so einem Film eigentlich, wenn man ins Kino geht? Eine Dokumentation???


Ganz klar, der Film ist zum Unterhalten gedacht. Man packt Nicolas Cage, der sich nicht erst seit seinen Disney-Projekten mit Abenteuern aller Art auskennt, zusammen mit dem Godfather des Viecher-Tötens Ron "Hellboy" Perlman in einen Film über zwei Kreuzritter und fiese Bösewichter, da erwartet man ja auch was für sein Geld. Es soll keine historisch belegbare Geschichte sein, sondern ein spannender Abenteuerfilm mit Horror-Elementen, und genau das ist es auch geworden. Aber speziell für Rollenspieler kann ich den Film empfehlen - von dem Zusammenspiel der Hauptfiguren kann man sich durchaus noch was abgucken. Aber um es klar zu sagen: "DEr letzte Tempelritter" zählt eher zu der ruhigen Kategorie - die Action ist schmackhafter Bonus, aber nicht die Hauptsache. Daher gerne mal "Solomon Kane" nachschieben, wenn man einen größeren Bodycount braucht.


8/10 Punkte

Dienstag, 1. November 2011

"Swordmasters Mittelalter-Review" Teil 1

Endlich habe ich mal wieder etwas Zeit für mich und meine Hobbies, nach gefühlten 20 Tagen Dauerarbeit. Da kann ich mal wieder was schreiben, was mir schon lange in den Fingern brennt. Ursprünglich sollte es nämlich eine Doppel-Review werden von "Ironclad - Bis zum letzten Krieger" und "Your Highness" - letzterer, soviel kann ich schon mal verraten, wird nicht über fünf Punkten erhalten. Aber mittlerweile habe ich nnoch einen anderen Mittelalter-Film gesehen, auf den ich schon länger mal gespannt war, und daher habe ich mir gedacht: Warum nicht gleich eine ganze Reihe?

Jetzt haben wir auch November, da werden die Tage kürzer und kälter, da kann man sich also gerne mal abends hinsetzen und ein bis zwei gute Filme sehen. Und da meine LARP-Ausrüstung gerade Zuwachs erhalten hat, hole ich mir aus der Filmwelt noch ein bisschen Inspiration dazu.


Daher willkommen zu "Swordmasters Mittelalter-Review"!


Heute: "Robin Hood (2010)"


Oder auch: "Die Kameraführung der Scott-Brüder ist einfach zum Kotzen!"



Ich sah damals den Trailer zu diesem Film im Kino in England, als einer der Trailer vor dem Sherlock Holmes Film (der mit den mittlerweile 10 Punkten). Und mein erster Gedanke war: DAs wäre was für meine Mutter. Ridley Scott hat ihn gedreht, Russell Crowe spielt die Hauptrolle, und die Musik klingt dermaßen nach Hans Zimmer, dass man das auch in "Gladiator 2" umbenennen könnte. Diverse Kritiken waren allerdings geteilter Meinung über diesen Film. Und es ist klar, dass diese Version von "Robin Hood" eine ganz andere Richtung einschlägt als die, die wir aus den Geschichten und dem Kevin-Costner-Film kennen (oder gegebenenfalls von Disney)...


Es fängt damit an, dass Richard Löwenherz, der sonst so geschätze König Englands, mit seiner Schar überlebender Kreuzritter auf dem Weg nach England halb Frankreich ausplündert und niederbrennt (nun gut, wer will ihm das verübeln?). "The Lionheart" ist allerdings kein großer weiser König, wie ihn vielleicht Sean Connery darstellen würde, sondern ein langhaariger Raufbold mit mehr Gier als Grips, der sich von seinen Untergebenen nur durch die Krone auf seinem Kopf unterscheidet. Passenderweise kriegt er auch einen Armbrustbolzen in die Brust, kaum dass der Film fünf Minuten läuft. Russell Crowe, zu dieser Stunde als Robin Longstride unterwegs, ein einfacher Bogenschütze der königlichen Armee, macht sich auf den Weg nach England, mit der Krone des Königs und dem Schwert des Ritters Sir Robert Locksley im Gepäck. Beides soll zum rechtmäßigen Besitzer zurückgehen.

Schön finde ich an dieser Stelle zum Einen den Zusammenhalt zwischen Robins Männern (die späteren "Merry Men" Will Scarlet und Little John befinden sich bereits im Krieg an seiner Seite), zum Anderen hat diese Anfangsphase des Films etwas von einer RPG-Questreihe. Erst soll er zum Schiff, dann findet er die Krone des Königs und soll sie nach London bringen, dann muss er zu Locksley Senior und ihm das Schwert mitbringen. Seine Männer, Bogenschützen und Nahkämpfer, quasi eine Rollenspieltruppe ohne Heiler oder Zauberer, begleiten ihn in frisch geplünderter Ausrüstung bis nach Nottingham, wo sie erst einmal mit dem Met von Bruder Tuck (der einzige gute Priester in der ganzen Gegend) auf den überlebten Kreuzzug anstoßen.

Ab dann wird der Film in Hinblick auf die bekannte Geschichte etwas abstrus. Longstride wird von Locksley Senior temporär adoptiert - er soll also als Robin Locksley auftreten. Inklusive Maid Marian als Ehefrau, die schon mit Lockley verheiratet war (und die von Cate Blanchett in einer Powerfrauen-Manier gespielt wird, dass es schon fast wieder nervt). In der Zwischenzeit stellt sich allerdings heraus, dass der Thronfolger Prinz John auch nicht viel besser ist als sein verstorbener Bruder: Um die Staatskassen wieder zu füllen, besteuert er alles und jeden, bis es kurz vor der Revolte steht. Das größte Problem nähert sich aber seitens Frankreichs, denn der einzige Glatzkopf in den Film (der schon hinreichend bekannte Schurkendarsteller Mark Strong, auch aus "Sherlock Holmes" bekannt) spielt ein Doppelspiel. Einerseits als Vertrauter des englischen Königs, dem er zu gewaltsamer Steuereintreibung im Norden Englands rät, damit er andererseits als Vertrauter des französischen Königs dessen Invasion in England vorbereiten kann.

Und so spitzt sich die Sache zu, bis in einer D-Day-mäßigen Strandschlacht Engländer und Franzosen die alte Tradition fortsetzen, in der sie sich seit Jahrhunderten auf die Schnauze hauen. Doch bis dahin gibt es noch diversen Ballast an den Seiten der Story - eine eher unwahrscheinliche Verkettung der Vergangenheit des echten Sir Locksley mit Crowes Charakter Robin Longstride inklusive. Plus: Eine mehr oder minde funktionierende Liebesgeschichte zwischen Blanchett und Crowe, bei der es entweder an Chemie zwischen den beiden mangelt oder mir schlicht und einfach an Romantik. ^^


Die Darsteller sind aber durchaus gut gewählt. Max von Sydow und William Hurt als alte Schlachtrösser, Mark Strong als glatzköpfiger Finsterling, und Oscar Isaac als Prinz John, den man im Film selber gewaltig unterschätzt und der einen wirklich glaubwürdigen Charakter kreiert, im Vergleich zu den üblichen Schurken dieses Genres. Auch die "Merry Men" sind gut besetzt. Das einzige Manko sind tatsächlich Cate Blanchett und Russell Crowe. Letzterer hat sich bei seiner Darstellung an "Gladiator" orientiert, was bei dieser Geschichte einfach nicht passt. Und Blanchett hat auf dem Schlachtfeld nix verloren - das hier ist nicht "The Missing"!

Ach ja, Schlachtfeld - davon will ich lieber nicht anfangen. Tony Scott ist ja bekannt für seine bescheuerte Kameraführung und seine Schnitttechnik mit dem Samuraischwert. Ich hatte ja gehofft, dass Ridley Scott als der ältere, weisere und erfolgreichere Bruder es besser wüsste. Aber nein, die Kameraführung ist in den Actionszenen echt am Ende! Für einige Sekunden sah es bei "Gladiator" in der Anfangsschlacht genauso aus, aber wohlgemerkt, nur für ein paar Sekunden! Hier ist die gesamte Endschlacht so gefilmt, dass man nix erkennen kann. Und zu den hektischen Schnitten und den Kameraleuten mit Parkinson-Krankheit kommt noch dazu, dass viele dieser Szenen noch künstlich beschleunigt wurden, um noch mehr Hektik reinzubringen. Ich kann ja froh sein, dass ich von dem finalen Duell noch überhaupt was mitbekommen habe und wusste, was das eigentlich passiert. Ein Trost: In den Nicht-Actionszenen ist die Kamera so ruhig, wie es sein soll.

Die Atmosphäre stimmt jedenfalls: Man fühlt sich in das mittelalterliche England versetzt, und Ridley Scott nimmt sich auch die Zeit, einige der alltäglichen Dinge in dieser Zeitpreiode zu zeigen. Während man in manchen anderen Filmen nur denkt: "Ja, da wäre ich auch gerne dabei gewesen", überlegt man es sich bei diesem Film zweimal, ob man diese ganze Unbequemlichkeit gerne am eigenen Leib erfahren würde. Man mekrt da allerdings auch, dass Scott einen realistischen, authentischen Film drehen wollte, in dem Robin Hood nicht der glorifzierte Volksheld ist, sondern ein einfacher Mann. Meiner Meinung nach ist er an manchen Stellen über sein Ziel hinausgeschossen.


Fazit: Kamera: bäh! Der Rest ist eigentlich in Ordnung, aber keine Oberklasse. Ridley Scott konnte es früher mal besser, aber das Mittelalter kriegt er irgendwie nicht richtig hin - das hat schon bei "Königreich der Himmel" nicht funktioniert. Die Hauptrollen sind fehltbesetzt, aber die Nebenrollen machen Spaß. Es gibt viele Schlachten, aber auch sehr viele ruhige Szenen dazwischen. Die Story ist, was Robin Hood angeht, mal was Anderes, aber letzten Endes denkt man, man guckt "Braveheart" ohne Schotten. Und letzten Endes bleibt ein tiefer Einblick in das alte England mit verwackelter Schlachtenkamera und einer Liebesgeschichte, auf die selbst die Beteiligten keinen großen Wert legten. Soweit ganz in Ordnung für einen normalen Regisseur, aber von Ridley Scott erwarte ich ein bisschen mehr.


7/10 Punkte

Dienstag, 25. Oktober 2011

Was 2012 ins Kino kommt (oder kommen soll)

Wir haben jetzt Ende Oktober, also noch zwei Monate, bis dieses Jahr vorbei ist. Und bislang haben nur sehr wenige Filme mich vollkommen überzeugt - man sehe sich meine diesjährigen Reviews an. Für dieses Jahr noch übrig sind Sherlock Holmes 2 und "Die Killer-Elite". Eventuell schafft es auch "Immortals" dieses Jahr noch in die deutschen Kinos, aber verlassen würde ich mich darauf nicht. Trotzdem, sie stehen noch auf meiner 2011er-Liste der Filme, die ich noch ansehen möchte.

Dafür wird 2012 ein echt großes Jahr, wenn sie es tatsächlich schaffen, all die angekündigten Filme zu dem angekündigten Zeitpunkt rauszubringen, was an sich schon fast unglaublich wäre. Aber dazu gleich mal einen Blick in die detaillierte Liste, geordnet nach dem Jahr, dann der Reihenfolge, in der ich sie bei IMDB gefunden habe (da gibt es sonst für weitere Interessenten die beliebtesten für 2012 angekündigten Filme - also die Filme, auf die schon die ganze Welt wartet (zu finden hier)


2011


Killer Elite

Der Film kommt schon demnächst dran - wurde für Ende diesen Monats für die deutschen Kinos angekündigt. Jason "The Transporter" Statham und Robert de Niro sollen als Profikiller der alten Schule drei Agenten umbringen. Gegenspieler ist Clive Owen, der schon in "Shoot 'em Up" gezeigt hat, dass er dieses Genre beherrscht. Spaß machen wird der Film alleine durch die Konfrontation zwischen Statham und Owen.


Sherlock Holmes: A Game of Shadows

Kürzlich habe ich mir die DVD des ersten Sherlock Holmes zugelegt, und im Grunde wäre ich jetzt auch soweit, dem Film die verdienten 10 Punkte zu geben. Umso gespannter bin ich auf den Nachfolger "A Game of Shadows". Denn hier tritt Holmes endlich gegen seinen Erzfeind Professor Moriarty an - obwohl, die Besetzung dieser Rolle muss mich erst noch überzeugen. Aus dem alten Film kehren auch alle Darsteller wieder zurück, also auch Rachel McAdams als Irene Adler und der grimmige Inspektor Lestrade, gespielt von Eddie Marsan. Der Trailer erweckt allerdings auch den Eindruck, dass an der Actionschraube gedreht wurde - man kann sich auf einige effektvolle Szenen gefasst machen. Hoffentlich bekommen sie dann noch den Spagat hin zur klassischen Spannung der Sherlock-Holmes-Geschichten.


Immortals

Auf diesen Trailer bin ich durch Zufall gestoßen (wie bei den meisten Filmen hier), aber er sah vielversprechend aus. Das einzige Manko war der kurze Titel "Von den Produzenten von 300" - aber ich habe nachgeschaut, Zack Snyder ist nicht der Regisseur. Trotzdem, Vorsicht ist angebracht. Die Story: Mickey Rourke als tyrannischer Herrscher Hyperion will die gesamte Welt unterwerfen. Es braucht also einen griechischen Helden, der ihn stoppen kann. Die Wahl der Götter fällt auf Theseus, der mit einem magischen Bogen ausgestattet die Armeen des Guten in die Schlacht führt. Trailer zeigt: Schlachtszenen holla! Atmosphäre: so lala! Fans griechischer Mythologie (oder auch Titan-Quest-Spieler) sollten mal reinschauen.



2012

Jetzt kommen wir zum Kern des Ganzen. Viele Fortsetzungen haben sich für dieses Jahr angekündigt, aber auch der ein oder andere Geheimtipp verbirgt sich in der Liste.


The Avengers

Nein, nicht die Kinofassung von "Mit Schirm, Charme und Melone". Dies ist die Zusammenführung von vier Superhelden des Marvel-Comic-Universums. Namentlich: Iron Man (gespielt von Robert Downey Jr.), Thor (mit diesem langhaarigen Typen da mit dem Hammer), Hulk (der große grüne Dingens) und Captain America (der Vollhorst mit der Zielscheibe auf seinem Schild). Von den letzten beiden Helden halte ich nicht allzu viel, aber ich gehöre auch nicht zu den Leuten, die mit Superhelden-Comics aufgewachsen sind. Auf jeden Fall dürfte der Film ganz interessant werden, weil sie die einzelnen Helden vorher schon verfilmt haben und nun zusammenführen (einige behaupten, der Film "Captain America" wäre nur ein langer Trailer für den Avengers-Film). Außerdem führt Joss Whedon Regie, und der hat ja eine ganze Menge guter Sachen gemacht - auch wenn manche Firefly-Fans seit dem Kinofilm immer noch sauer auf ihn sind...


The Dark Knight Rises

Christopher Nolan wurde bekannt durch komplizierte Filme wie "Memento" und "Prestige". Berühmt wurde er durch "Batman Begins". Mit "Dark Knight" und "Inception" etablierte er sich als einer der ganz großen Regisseure Hollywoods. Und ich muss sagen, dass ich seine Arbeit wirklich schätze. Daher erwarte ich mit großer Spannung seinen dritten Batman-Film. Allerdings hoffe ich, dass der weniger depressiv ausfällt als der letzte. Immerhin werden dieses Mal Catwoman und Bane als Schurken mit von der Partie sein - für erstere wurde zum Glück nicht Halle Berry genommen. Über die Story ist noch nichts wirklich bekannt, aber ich gehe davon aus, dass es da zur Sache geht.


Expendables 2

Wenn es in den letzten Jahren (oder zumindest den letzten beiden) irgendeinen Actionfilm gab, der es wirklich verdient hat, als solcher bezeichnet zu werden, dann war es "The Expendables". Die Creme de la Creme des 80er-Jahre-Actionkinos in einer Story, die an den PC-Klassiker "Jagged Alliance" erinnert, und in dem mehr zu Bruch geht als in einer ganzen Staffel Alarm für Cobra 11? Traumhaft! Jetzt habe ich gute und schlechte Nachrichten für alle, die auf die Fortsetzung warten. Die Guten: Neben der Besetzung aus dem ersten Teil (inklusive Schwarzenegger und Bruce Willis) wurden noch einige bekannte Gesichter angekündigt. Chuck Norris und Jean-Claude van Damne haben mittlerweile auch Rollennamen, nur bei John Travolta sind sich die Leute von IMDB noch nicht sicher, ob er tatsächlich mitspielt. Nebenbei: Schwarzenegger ist ja nicht mehr in der Politik tätig, da wird vielleicht von ihm etwas mehr zu sehen sein als in Teil 1. Jetzt die schlechten Nachrichten: Steven Seagal wird es wieder nicht in diesen Film schaffen. Liegt aber auch daran, dass er Streit mit der Produktionsfirma hat. Dieses Mal führt ein Anderer Regie, nicht Stallone selbst: Simon West war der Regisseur von "Con Air" (gut) und "Tomb Raider" (hmmm... ok), zuletzt drehte er "The Mechanic", der auch ganz OK war. Man darf also gespannt sein. Ach was sag ich, der Film wird nächstes Jahr Pflicht!


The Hobbit

Die Herr der Ringe Trilogie hat völlig verdient 17 Oscars abgeräumt. Und die Bücher waren ziemlich anstrengend zu lesen. Jetzt kommt allerdings die Verfilmung von "Der kleine Hobbit" ins Kino - ein Buch, das eigentlich für Kinder geschrieben worden war. Aber trotzdem, Kämpfe sind auch in dieser Geschichte zahlreich. 13 Zwerge, ein Hobbit und ein Zauberer mit komischem spitzen Hut ziehen los, einen Drachen zu besiegen und seinen Schatz in Besitz zu nehmen. Wenn Peter Jackson nicht plötzlich einen Schlag auf den Schädel bekommt und durchknallt wie George Lucas seit der Erfindung der Digitaltechnik, dann kann dieser Film nicht schlecht werden. Aber ich frage mich doch, wie er Elijah Wood, Orlando Bloom und Hugo Weaving in den Rollen aus der Trilogie vernünftig einbauen will. Na, darüber kann man sich Gedanken machen, wenn es soweit ist.


Ghostbusters 3

Wusstet ihr, dass ein dritter Ghostbusters-Film kommen soll? Ich hatte keine Ahnung! Ist heute der erste April? Nein, ich glaube, sie meinen es dieses Mal tatsächlich ernst. Bill Murray, Dan Aykroyd und Harold Ramis sind wohl schon an Bord, sogar Ernie Hudson, der vierte Ghostbuster, hat wohl schon unterschrieben. Und Ivan Reitman führt Regie - also alles wie in guten alten Zeiten! Allerdings wird es wohl sowas werden wie "Star Trek - Treffen der Generationen", denn so wie IMDB schreibt, wird wohl eine neue Generation Geisterjäger das Ganze übernehmen. Inwiefern da die alten Hasen mitmischen, was überhaupt da vorgeht - das werden wir erst nächstes Jahr erfahren.


James Bond Nr. 23 (noch kein Titel vorhanden)

Daniel Craig spielt wieder James Bond, und Oscar-Preisträger Sam Mendes führt Regie. Ersteres ist gut, das letztere muss überhaupt nichts heißen. Denn Mendes hat, wie sein Vorgänger Marc Forster, noch nie einen Actionfilm gedreht. Nach dem Totalschaden namens "Quantum of Solace" bin ich jedenfalls sehr skeptisch, was diesesn Film angeht. Die gute Nachricht: Ralph Fiennes steht auf der Darsteller-Liste, allerdings noch ohne Rollenname. Er war schon Voldemort bei Harry Potter, warum also kein Bond-Schurke? Und David Arnold komponiert wieder, da bleibt für mich noch die Hoffnung, dass wenigstens die Musik was taugt.


Total Recall

Sie machen allen Ernstes ein Remake des Paul Verhoeven / Arnold Schwarzenegger Vehikels, dieses Mal allerdings mit Colin Farrell in der Rolle des Bauarbeiters mit Erinnerungsproblemen. Regie führt Len Wiseman - sein "Stirb Langsam 4.0" war gut, aber seine "Underworld"-Filme taugen nicht allzu viel. Und es steht zu befürchten, dass er diesem Film nicht sonderlich viel hinzufügen wird. Mal abgesehen davon, dass er es nicht lassen kann, sein Liebchen Kate Beckinsale in diesen Film zu kloppen. Reinschauen kann man ja mal, aber er wird bestimmt nicht besser als das Original. Vor allem wird er wahrscheinlich nicht so brutal...


G. I. Joe 2

Dass die Sache noch nicht vorbei ist, haben sie am Ende von Teil 1 ja auch angekündigt - immerhin haben sie die Mumie (Arnold Vosloo) als Präsidenten verkleidet im Weißen Haus eingeschleust. Mal schauen, was sie dieses Mal anstellen. Der erste Film war pures Unterhaltungskino, und da wollen die Macher noch mal raufklotzen. Bruce Willis und Dwayne "The Rock" Johnson stehen neuerdings auf der Darstellerliste. Und die Dauer-Nervensäge Marlon Wayans haben sie rausgenommen! Sehr gut! Regie führt John M. Chu, der aber bislang außer Tanzfilmen wie "Step Up" noch nichts im Kasten hat. Na, ob das so eine gute Idee war...


21 Jump Street

Wenn man damals als Kind ständig vor dem Fernseher gehangen hat wie ich - besonders in den Achtzigern - dann hat man die Serie bestimmt auch schon mal gesehen. Genau wie "A-Team", "Knight Rider" oder die alte Fassung von "Battlestar Galactica" kam das im Vorabendprogramm von RTL Plus und hatte u. a. Johnny Depp in ganz jungen Jahren zu bieten. Jetzt also die Kinofassung im 21. Jahrhundert. Beim A-Team hat es besser funktioniert als erwartet, also stehen auch hier die Chancen ganz gut, dass sie wissen, was sie tun. Johnny Depp ist auch selber angekündigt, aber ich schätze, mehr als ein Kurzauftritt wird es nicht sein.


Battleship

Zuletzt noch ein Geheimtipp: Wer "World Invasion - Battle: Los Angeles" gesehen hat, findet hier eine ähnliche Situation vor. Ein großer Haufen Schlachtschiffe der amerikanischen Navy trifft auf hoher See während eines Manövers auf außerirdische... "Dinger". Und wenn Liam Neeson, der Oberkommandierende, schon sagt: "Feuer!" "Mit was, Sir?" "Mit allem!", dann kann man sich auf was gefasst machen. Hauptrolle spielt aber eher der junge Alexander Skarsgard als autoritätsresistenter Offizier, der mit Neesons Tochter ins Bett steigt. Wollen wir hoffen, dass das Ganze nicht doch zum Drama während einer Seeschlacht verkommt - also eine Sci-Fi-Variante von "Pearl Harbor" wäre das Letzte, was wir wollen.



Ich kann es kaum erwarten, bis wir 2012 haben!!!

Montag, 24. Oktober 2011

Review: "Unknown Identity" (2011)

Dieses Jahr kommt "Sherlock Holmes 2: The Game of Shadows" in die Kinos. Ich erwäge ernsthaft, ihn noch dieses Jahr zu sehen, aber ich fürchte, es wird nicht das Selbe sein wie beim ersten Film. Denn hierzulande gibt es ihn bestimmt nur auf deutsch. Aber der Trailer sieht schon ganz gut aus...


Das konnte man auch vom Trailer zu diesem Film behaupten: "Unknown Identity" mit Liam Neeson in einer Hauptrolle, die recht stark an seinen Auftritt in "96 Hours" erinnert, aber doch in eine Richtung geht, die man als Verbeugung vor dem großen Meister Alfred Hitchcock deuten könnte. Dazu einiges an Action, einige sehr markante Gegenspieler (zu nennen wären Aidan Quinn und Frank Langella, letzterer auch bekannt als Skeletor aus "Masters of the Universe"... ja, und auch "Frost / Nixon"...) und die spannende Frage: Was wird hier eigentlich gespielt?

Denn genau das versucht Neeson in der Rolle des unbescholtenen und glücklich verheirateten Wissenschaftlers Martin Harris herauszufinden. Da kommt er gerade mit seiner hübschen Ehefrau (gespielt von January Jones - der Name klingt irgendwie nach Playmate des Monats...) in Berlin an, stellt fest, dass er (echt dusseligerweise) seinen Aktenkoffer am Flughafen hat stehen lassen, und braust mit dem nächsten Taxi los, um ihn zu holen. Allerdings macht das Taxi einen unfreiwilligen Ausflug in die Spree... und Neeson verbringt 4 Tage im Koma.

Dann der Schock: Seine Frau kennt ihn nicht mehr, ein fremder Mann stellt sich als Martin Harris vor, niemand will ihm glauben, und er hat keine Ahnung, wo sein Pass steckt. Könnte ja noch einigermaßen witzig sein, ist es aber spätestens dann nicht, als ein ominöser Brillenträger ihn im Krankenhaus abzumurksen versucht. Ihm bleiben nur die Taxifahrerin, die ihm damals das Leben rettete, und ein ominöser Ex-Spion / Privatdetektiv, der an der ganzen Sache noch sein persönliches Interesse bekommen sollte...


Der Film spielt komplett in Berlin - und zwar im echten! Dazu kommt neben der amerikanischen Hauptbesetzung noch ein großer Teil deutscher Nebenrollen, von denen tatsächlich nicht alle gnadenlos schlecht sind. Allen voran Bruno Ganz als der Ex-Spion Herr Jürgen - zuvor kannte ich ihn nur in einer einzigen Rolle, und das war als Hitler in "Der Untergang". Dann die mittlerweile auch in anderen Teilen der Welt bekannte Schauspielerin (wenn man das so nennen kann) Diane Kruger. Und Sebastian Koch - irgendwoher kenne ich den. Und auch der Ex-"Kommissar Rex" Nebendarsteller Karl Markovics macht als Doktor eine gute Figur. Das lässt mich doch ein wenig hoffen, einen guten deutschen Film für diesen Blog zu finden.

Allerdings merkt man auch, dass dieser Film von Profis gemacht wurde. Joel Silver (von "Lethal Weapon" bis "Matrix" nur gute Actionfilme) produzierte gemeinsam mit dem Studio Babelsberg, die Kameraleute hielten auch mal direkt auf das Geschehen drauf, und die Actionszenen sind, abgesehen von den Schnitten im Sekundentakt, ansehnlich gefilmt. Und Action gibt es reichlich - aber dennoch steht die Spannung deutlich im Vordergrund.

Denn der Knackpunkt des Films ist seine Auflösung - von der natürlich hier nichts verraten wird. Abgesehen von einigen kleinen Logiklöchern mitten im Film (warum z. B. macht Neeson sein Handy aus, obwohl er auf die Warnungen seines derzeitigen Partners angewiesen ist?) ist die Handlung schlüssig und der Hintergrund undurchsichtig bis zum Schluss. Das Beste: Wenn man zu wissen glaubt, wie der Hase läuft, kommt ein Kommentar von einem Darsteller, der dann Neeson anschaut mit den Worten "Das glauben Sie doch selbst nicht!" Ich hatte nach dem ersten Drittel des Films eine Vermutung, wie das Ganze ausgehen würde - wiederum gestützt auf Hitchcock-Filme ähnlichen Kalibers. Und soviel sei gesagt: Ich lag vollkommen falsch!


Gibt es irgendwelche Nachteile an dem Film? Mir fallen gerade keine ein. Ein bis zwei Logiklücken und doch etwas schusseliges Verhalten von ehemals Qui-Gon Jinn ziehen den Film nicht mehr soweit runter. Diane Kruger mag keine tolle Schauspielerin sein, aber gut aussehen tut sie. Und durch die Bank weg haben sich weder deutsche noch amerikanische Schauspieler irgendwie blamiert. Atmosphäre stimmt, sogar die Musik ist annehmbar. Spannend bis zur Auflösung - und selbst, wenn sie kommt, braucht man ein paar Minuten, um es zu glauben. Gerne mal wieder sehen!


9/10 Punkte