Sein Abenteuer auf der fernen Insel ist beendet, doch die Sage geht weiter. Er muss sich nun der schwersten aller Prüfungen stellen, um zu beweisen, dass er die Feder genauso gut beherrscht wie die Klinge. Doch zwischenzeitlich rief ihn das Schicksal auf eine andere Insel, belagert von untoten Kreaturen und einer intriganten Handelsfamilie. Mehr darüber demnächst...

Freitag, 4. Februar 2011

Goldfinger (1964)

Bond: Sean Connery
Schurke: Gert Fröbe (Goldfinger), Harold Sakata (Oddjob)
Bond-Girl: Honor Blackman (Pussy Galore)
Wie oft gesehen: 3-4 Mal


Der Legendäre. Der Unantastbare. Der Klassiker. Vergesst die zwei Filme davor – „Goldfinger“ hat die Reihe, so wie wir sie kennen, erst begonnen. Denn erst hier kamen sie auf den Trichter eines wirklich größenwahnsinnigen Oberschurken mit einem vollkommen abgedrehten Plan und einem Fetisch für ein gewisses Edelmetall. Und er hatte den ersten echten Handlanger der Bond-Filme, einen stummen Diener mit einem Hut, der einem den Schädel abrasieren konnte. Sein Name war Oddjob – und wie viele Elemente, die hier ihren Anfang nahmen, wurde auch er nie ganz von seinen Nachfolgern übertroffen (außer vielleicht vom Beißer, der es als einziger Handlanger in zwei Bond-Filme geschafft hatte).

Hier waren auch die Mordmethoden äußerst kreativ – die ganz in Gold gehüllte Gespielin ist es alleine wert (quasi ihr Gewicht in Gold… hö hö hö…). Endlich fliegt vor dem Vorspann mal was in die Luft und es gibt Action – endlich hat der Vorspann einen Titelsong, gesungen von Shirley Bassey (so wie zwei weitere Titelsongs für James Bond über die Jahre). Endlich nennt man Q beim Namen, und das Auto – ein Aston Martin – bekommt die lange ersehnten Maschinenkanonen hinter den Scheinwerfern. Endlich muss Bond die Schlacht am Ende nicht alleine austragen, sondern hat seine eigene Armee an der Seite (die erste von vielen, aber leider noch zu wenigen Massenschlachten als Höhepunkt der Filme). Und endlich, nach langem Warten, gibt es im James-Bond-Film einen Laser! Darauf haben wir alle gewartet!

Der Plot ist mittlerweile auch ein Klassiker: „Wir gehen Fort Knox an die Goldreserven“, so der Plan von Auric Goldfinger (mögt ihr diese Wortspiele nicht auch?). Aber nicht einfach klauen, sondern mit einer Atombombe zusammenschmelzen und verstrahlen, sodass nur Goldfingers eigene Reserven noch etwas wert sind. Sein stummer Diener Oddjob („Hut ab!“) sorgt dafür, dass ihm keiner in die Quere kommt und entsorgt auch gerne mal ehemalige Geschäftspartner, und seine Top-Pilotin Pussy Galore (hättest du wohl gerne…) soll die Vorbereitungen für ihn treffen. Alles in allem hat Bond also eine Menge zu tun.

Allerdings ist dieser Klassiker wie die meisten Klassiker nicht vollkommen frei von Mängeln. Denn von den relativ aufregenden Szenen am Anfang und in der Mitte bis zur fulminanten Armeenschießerei gegen Ende gibt es zahlreiche Längen. Und damit meine ich Längen. Am Besten zu erkennen ab der Szene, wo Goldfinger sich dazu durchringt, Bond NICHT mit dem Laser zu töten, sondern ihn als Gefangenen zu behalten. (Alleine das muss man sich mal vorstellen: Niemand anderes in der gesamten Reihe war so nahe daran, James Bond zu töten. Aber Bond überlebte nur, weil der Oberschurke entschied, ihn am Leben zu lassen – er hätte keine Chance gehabt! Tja, dein Schicksal hast du dir dann ja wohl selber zuzuschreiben.) Ab dann spielt Bond mit der Tischdame herum, die nicht einmal wirklich gut aussieht, sitzt auf der Terrasse und trinkt Cocktails, und zwischendurch belauscht er mal die Pläne seines Gegenspielers. Der Szene, wo der Geschäftspartner, der nicht mehr mitmachen wollte, entsorgt wird, widmen sie auch fünf bis zehn Minuten der Zeit, in der sie sonst locker zwei Explosionen, eine Schießerei und einen Faustkampf hätten bringen können. Was, vom Alter des Films mal abgesehen, entsprechend zur Folge hat, dass ich ihn seltener gesehen habe, als ihm eigentlich zusteht.

Ohne diesen Film wäre James Bond nicht der, der er heute ist. (Vergesst an dieser Stelle bitte den letzten Film mit Daniel Craig!) Das Zeitalter der lustigen Ausrüstung, schweren Jungs und leichten Mädchen ist nun endlich in dieser Reihe angebrochen. Ab hier kann es nur noch bergauf gehen. Oder? Jedenfalls, was diesen Film angeht, liebt man ihn schon aufgrund seiner einzelnen Zutaten und der Szenen, die daraus gemacht wurden. Als ganzer Film vielleicht etwas zu lang und auch nicht so spannend wie sein Vorgänger. Aber einem Klassiker wie diesem kann man sowas mal verzeihen, denke ich.

8/10 Punkte

Liebesgrüße aus Moskau (1963)

Bond: Sean Connery
Schurken: Robert Shaw (Grant), Lotte Lenya (Rosa Klebb)
Bond-Girl: Daniela Bianchi (Tatjana Romanova)
Wie oft gesehen: 4-5 Mal


Auch dieser Bond ist nicht unbedingt das, was man unter einem „typischen“ Bond-Film bezeichnen würde. Es fehlt der größenwahnsinnige Superschurke (zumindest im Plot dieses Films, obwohl durchaus der Kopf des Ganzen einen Miniauftritt hat – man sieht zumindest seine Katze), und es geht auch nicht um die Herrschaft der Welt, sondern um Intrigen und Komplotte in der großen weiten Welt des Kalten Krieges. Die Russen sind dieses Mal mit von der Partie, und anstelle eines Angriffs auf die Basis des Bösewichts bewegen wir uns hier stetig von ihm weg. „Liebesgrüße aus Moskau“ ist zum größten Teil ein Roadmovie oder zumindest ein Reisefilm, denn hier befinden sich Bond und seine Tischdame ständig auf der Flucht vor den Kommunisten und den Killern, die der Oberböse ausgeschickt hat.

Und trotzdem hat der Film bereits Legendenstatus. Dafür dürfte es drei Gründe geben: Der erste ist Lotte Lenya. Die erste richtig böse Frau in einem Bondfilm, und eine derart giftige Schlange (auch wörtlich!), dass sie von diesem Film bis zu Rosamund Pikes grauenhafter Darstellkunst in „Stirb an einem anderen Tag“ von keiner anderen Frau übertroffen werden konnte (man genießt am Ende richtig, wie sie abkratzt). Der zweite ist Desmond Llewelyns allererster Auftritt als Q – in diesem Fall noch betitelt als „der Waffenmeister“ oder bei seinem richtigen Namen, Major Boothroyd, genannt. Sein Gepäckstück mit einem Scharfschützengewehr, einem Messer, Goldmünzen sowie einer Tränengas-Abwehrvorrichtung ist das erste echte Gadget der Bondfilme. Damit ist auch der Anbruch einer Tradition verbunden, eine feste Regel für alle Bondfilme: Alles, was man an Ausrüstung mitkriegt, wird auch benutzt. (Diese Regel wurde allerdings in „GoldenEye“ gebrochen, als der nagelneue BMW mit allen Waffen meist nur unspektakulär in der Gegend herumstand.) Der dritte und wohl wichtigste Grund ist das Duell Shaw gegen Connery, als sie im Zugabteil den bis dahin brutalsten Zweikampf der Kinogeschichte austragen. Erstaunlicherweise, laut IMDB, waren die beiden Schauspieler die meiste Zeit persönlich tätig, ohne ihre Stuntleute zu bemühen. Selbst aus heutiger Sicht ist diese Kampfszene heftig – und entsprechend beeindruckend.

Aber an „ersten Malen“ hat dieser Film noch mehr zu bieten. Das Gesicht von Walter Gotell konnte man sich schon mal einprägen, denn in der Roger-Moore- und Timothy-Dalton-Ära sollte er die wiederkehrende Rolle als KGB-Chef General Gogoll spielen (hier allerdings eine andere Rolle). Plus: Die erste Prä-Vorspann-Szene der Filmreihe. Und im Vergleich zu seinem Vorgänger sind die Action- und Mordszenen in „Liebesgrüße aus Moskau“ ein Stück weit kreativer: Die Verfolgung mit dem Hubschrauber in der Mitte des Films soll an Hitchcocks „Der unsichtbare Dritte“ erinnern, welcher ein filmisches Vorbild für die Bond-Filme war (diese Szene erhielt dann eine Hommage in der Anfangssequenz von „Im Angesicht des Todes“).

Unterm Strich bleibt ein Actionfilm mit einer fast durchgehend hohen Spannungskurve, beeindruckenden Gegenspielern, für die damaligen Verhältnisse exzellente Actionszenen und einem im Vergleich zu den meisten Bond-Filmen halbwegs realistischen und intelligenten Plot. Ich denke, wäre der Film ungefähr zehn Jahre später gedreht worden, er wäre unter den Bond-Filmen einer meiner Favoriten.

7/10 Punkte

James Bond jagt Dr. No (1962)

Bond: Sean Connery
Schurke: Joseph Wiseman (Dr. No)
Bond-Girl: Ursula Andress (Honey Ryder)
Wie oft gesehen: 2-3 Mal


Damit fing alles an. Und es war eigentlich nicht zu erkennen, welchen Erfolg das Ganze starten sollte. Denn Agentenfilme waren zu diesem Zeitpunkt nichts Neues. Und wenn ich mir „Dr. No“ so ansehe, dann gibt es eigentlich wenig bis gar nichts, was diesen Film über den B-Film-Status heben würde.

Klar, da wäre erst einmal Sean Connery. Wie jung er noch war im Vergleich zu seinen Auftritten in „Jagd auf Roter Oktober“ oder „The Rock“. Und wie agil und gleichzeitig kaltschnäuzig er sein konnte, wenn er Leute um die Ecke bringt. Aber damit hat es sich schon fast. Der Film zählt im Grunde nur, weil es eben der Anfang war. Von den Elementen, für die die meisten Bondfilme berühmt sind, (u. a. eine spektakuläre Anfangssequenz vor dem Vorspann, ein richtiges Titellied, die kreative Ausrüstung und überhaupt kreative Actionszenen) ist hier noch nichts zu sehen. Was wir kriegen, ist ein exzentrischer Superschurke, der lange Zeit ohne Gesicht bleibt, dazu eine mittelmäßige Autoverfolgung, einige weniger spektakuläre Mordszenen und die ewigen Versuche, James Bond zu töten, die natürlich alle fehlschlagen. Und die Story? Dr. No will mit rätselhaften Signalen von seiner Geheimbasis aus das amerikanische Weltraumprogramm sabotieren, um die Weltherrschaft an sich zu reißen („Of course!“). Na, wenn er meint…

Pluspunkte gibt es allerdings für das Setdesign am Ende, in der Basis des berüchtigten Dr. No. Außerdem auch die zwar sehr blasse (und leicht dümmliche) Tischdame von Mr. Bond, deren Schauspielerin mit dem Namen Ursula Andress eigentlich schon anzüglich genug für diesen Film ist. Sie wirkt im Grunde sehr jung für eine solche Rolle, macht aber meiner Meinung nach eine weitaus bessere Figur als manche der Schabracken, mit denen sich Connery in zukünftigen Filmen herumschlagen muss. Na ja, um ehrlich zu sein waren die Sechziger noch nie mein Fall gewesen.

Erwähnenswert wäre noch der erste Auftritt von Bonds langjährigem Freund Felix Leiter (ihr wisst schon, der Schwarze in den neuen Filmen – der war bis dahin noch weiß!). Einen Quotenschwarzen haben sie auch dabei, der aber im Laufe des Films sein Leben lässt (wie gesagt, die Sechziger). Und der Oberschurke, gespielt vom kürzlich verstorbenen Joseph Wiseman, passte zumindest zum übrigen Stil des Films, hätte sich allerdings auch in „Metaluna 4 antwortet nicht“ gut eingefügt.

„James Bond jagt Dr. No“ ist ein B-Film. Da führt kein Weg daran vorbei. Ohne die extravaganten Zutaten, die in späteren Filmen zum Einsatz kommen, bleibt ein Agententhriller, der mehr einer Ein-Mann-Version von „Kobra: Übernehmen Sie“, gepaart mit den Actionszenen aus „Der Rosarote Panther“, gleichkommt. Wenn es die Produzenten bei diesem Film belassen hätte, hätte kein Mensch darüber Tränen vergossen. Aber uns wäre eine ganze Menge entgangen. Davon sollen die nächsten Filme zeugen.

Für diesen Film: 5/10 Punkte

James Bond - die lange Reihe (Einführung)

„Bond. James Bond.“ „Geschüttelt, nicht gerührt.“ Wenn euch das irgendwie bekannt vorkommt – und das sollte es, es sei denn, ihr hättet die letzten 50 Jahre hinterm Mond verbracht – dann dürfte das, was ich jetzt die nächsten Beiträge schreiben werde, nur noch wenige überraschen. Geheimagent 007 alias James Bond ist nunmal eine der langlebigsten Kinofiguren aller Zeiten, mit nunmehr 22 Filmen (nicht mitgerechnet den Sean-Connery-Titel „Sag niemals nie“, auch wenn ich den auch anreißen werde, und die Parodie „Casino Royale“ aus den 60ern) und sechs Menschen, die ihn darin verkörperten. Zahllose Bösewichte ließen im Kampf gegen ihn ihr Leben, zahllose „Bond-Girls“ (im Laufe der Arbeit umbenannt in „Tischdamen“, damit ich Anglizismen vermeide) fielen in seine Arme und versetzten damit der Emanzipationsbewegung einen herben Schlag in die Fresse.

Ich bin jedenfalls ein Riesenfan dieser Filme. Na ja, der meisten Filme davon. Es gibt einige, die ich mit eher gemischten Gefühlen betrachte, und einige, die ich nicht einmal mit der Kohlenzange anfassen würde. Aber grundsätzlich mag ich James Bond. Und ich sollte endlich einmal darüber was schreiben. Einen Überblick darüber, was mir an der Reihe so gefällt – und was eher weniger. Und der Ansatz ist schnell gefunden.

Man kann über viele Dinge bei James Bond schreiben: die exotischen Schauplätze, die atemberaubenden Actionszenen, die schönen Frauen, die fiesen Schurken. Doch nichts hat die Filme so geprägt wie die Männer, die in fünfzig Jahren Kinogeschichte die Titelfigur verkörperten. Jeder dieser Schauspieler, mittlerweile weltbekannt (außer George Lazenby vielleicht), hat quasi eine eigene Ära des Bondfilms geschaffen, ein Zeitalter für einen ganz bestimmten Typus von Bond-Film. Denn auch wenn das Genre in allen Filmen grob das gleiche ist, so kann man sogar die einzelnen Filme in grundlegenden Dingen unterscheiden. Und das fängt bei den Darstellern an, die in die Rolle von 007 schlüpften.

Aber wie man es dreht und wendet, der Filmreihe wird man nur dann gerecht, wenn jeder einzelne Film beleuchtet wird.

Montag, 31. Januar 2011

John Barry ist tot

Die Welt der Filmmusik hat heute einen großen Mann verloren: Filmkomponist John Barry, bekannt geworden durch seine Arbeit an zahlreichen James-Bond-Filmen, verstarb heute an einem Herzanfall im Alter von 77 Jahren.

Von 1962 an, als er die Musik zu "James Bond jagt Dr. No" mitkomponierte - ohne jedoch im Abspann dafür genannt zu werden - hat er mit seinen Kompositionen viele James-Bond-Filme bis hin zu "Der Hauch des Todes" von 1987 untermalt. Zu seinen bekanntesten Werken neben dieser Arbeit zählen Kompositionen für "Der mit dem Wolf tanzt" und "Jenseits von Afrika", für die er zwei seiner insgesamt fünf Oscars gewann. Seine weiteren Gewinne war ein Score-Oscar für "Der Löwe im Winter" von 1969 und der Score- sowie der Soundtrack-Oscar 1967 für "Frei geboren - Königin der Wildnis". Zuletzt schrieb er die Musik für "Das Mercury Puzzle" und "Enigma - Das Geheimnis", hat sich aber seit 2001 aus dem Geschäft zurückgezogen.

Sein tragischer Tod wurde heute morgen von David Arnold, derzeitiger Stammkomponist der Bond-Reihe und somit Nachfolger von Barry, via Twitter bekannt gegeben: "It was with a heavy heart that I tell you John Barry passed away this morning. I am profoundly saddened by the news but profoundly thankful for everything he did for music and for me personally." ("Schweren Herzens teile ich euch mit, dass John Barry an diesem Morgen von uns gegangen ist. Ich bin sehr traurig über diese Nachricht, aber auch sehr dankbar für alles, was er für die Musik und für mich persönlich getan hat."*)

Auch ich bin über diese Nachricht sehr traurig, auch wenn ich bis heute vermutet hatte, dass er längst tot sei. Ihm verdanken wir die meisten großen Musikstücke aus den James-Bond-Filmen, auch an den meisten Titelliedern war er beteiligt und hat sie mitkomponiert. Seine Musik wird uns erhalten bleiben und hoffentlich anderen, jüngeren Künstlern ein Vorbild sein - besonders denen, die sich an Kompositionen für James Bond versuchen.

Rest in peace, Mr. Barry!


* Übersetzung stammt von mir

Donnerstag, 20. Januar 2011

Review "Unthinkable" (2010)

Ehrlich gesagt, ich bin mir nicht einmal jetzt darüber sicher, ob ich wirklich etwas zu diesem Film schreiben soll. Ihn als geschmacklos-zynischen Folterfilm abzutun, würde ihm nicht ganz gerecht. Ihn allerdings als filmisches Meisterwerk, das zum Nachdenken anregt, in den Himmel zu loben, ganz und gar nicht. Nicht, dass ich die Tatsache leugnen will, dass er zum Nachdenken anregt.

Die Story: Ein Terrorist, gespielt von Michael Sheen, hat drei Atombomben in Großstädten der USA versteckt, die in einer Woche zünden. Wobei, der Begriff "Terrorist" steht eigentlich hier schon in Frage: Er ist amerikanischer Staatsbürger, der zum Islam konvertiert hat (und niemand weiß warum). Ein paar Tage vor der Zündung wird er verhaftet und in eine geheime Einrichtung gebracht, wo CIA, FBI und Militär versuchen, den Standort der Bomben aus ihm herauszubekommen.

Und so geht ein brutales Verhör los, bei dem wirklich jedes Mittel eingesetzt wird, um den Verhafteten zum Reden zu bringen. Samuel L. Jackson wird als der Haupt-Folterknecht tätig, und der Film dreht sich um das "Psychospiel", wenn man das so nennen kann, zwischen ihm und Sheen. Dazwischen steht Carrie-Anne Moss ("Memento" und "Matrix") als das Gewissen, in Form einer FBI-Agentin. Die restlichen Charaktere sind echt Nebensache.

Traurigerweise hat der Film für mich nur eine Botschaft: Alle sind böse. Die Amerikaner, weil sie Folter und Erpressung einsetzen und das auch noch gerechtfertigt sehen; der Terrorist (man nenne ihn bitte in diesem Film Yusef, damit klar ist, dass er dies für die Moslems tut) bringt Millionen Unschuldiger um, um seine fadenscheinigen Ziele zu erreichen. Selbst die gutherzige FBI-Agentin wird am Ende doch hart und böse und befürwortet, dass die Foltersitzung fortgesetzt wird, auch wenn Jackson selber keine Lust mehr dazu hat. Ein Ende ist erst abzusehen, als auch noch gedroht wird, die Kinder des Terroristen zu foltern - hier kristallisiert sich dann heraus, dass der einzig wahre Böse natürlich der Beauftragte aus dem Weißen Haus ist, der die ganze Zeit still im Hintergrund gesessen hat.

Man nimmt aus diesem Film nichts mit, außer vielleicht dem Gedanken, dass man froh ist, weder Amerikaner noch Moslem zu sein. Politisch hat der Film ungefähr soviel wert wie ein Artikel auf GMX, aber er regt die Emotionen an und will einen darüber nachdenken lassen, wie man sich in solch einer Situation verhalten würde - woran er aber kläglich scheitert. Mit genügend Abstand erkennt man, auf welchen wackeligen Füßen die ganze Grundidee steht - eine Ansammlung von Klischees übelster Sorte, gepaart mit der Aktualität der dargestellten Probleme, was das Ganze nur noch schlimmer macht. Alle beteiligten Figuren sind praktisch Karikaturen von Guantanamo Bay und dem 11. September. Dramaturgisch ausgebaut, damit sie dem Fortlauf des Films helfen.

Das Schlimmste daran ist die Motivation aller Beteiligten. Der Terrorist sagt an einer Stelle, dass er die Amerikaner dazu zwingen will, ihre Truppen aus den islamistischen Ländern abzuziehen und ihre finanzielle Unterstützung von Diktatoren in diesen Ländern zu beenden. An sich zwei vernünftiger Anliegen, was auch manche Nebencharaktere in der darauf folgenden Diskussion zugeben. Aber: Warum zum Teufel muss uns der Film ständig reinreiben, dass der Terrorist dem Islam angehört? Für die Umsetzung dieses Anliegens hätte ein Amerikaner mit Sockenschuss gereicht, dem der allgegenwärtige Patriotismus zum Hals raushängt - oder vielleicht jemand, der selber in diesen Ländern als Soldat stationiert war und eingesehen hat, dass die USA dort nichts verloren hat. Aber nein, der Böse ist ein Moslem. Die Amerikaner sind da aber auch nicht viel besser: Sie wollen Unschuldige schützen, um jeden Preis - auch wenn im Laufe der Geschichte Unschuldige nicht einfach sterben, sondern gefoltert werden sollen. Und es sind schließlich ihre eigenen Unschuldigen, die sie schützen wollen - denn immerhin sterben bei ihren Feldzügen gegen das Böse laufend Unschuldige in anderen Ländern.

Bedauerlicherweise ist der Film handwerklich ziemlich gut. Und bis zu der Stelle, wo sie mit der Folter anfangen (rund fünfzehn Minuten im Film) hatte er wirklich Potential - er hätte ein Actionfilm wie "Einsame Entscheidung" oder "Projekt Peacemaker" werden können, vielleicht auch ein Thriller wie "Ausnahmezustand" oder zumindest die spannende Suche nach den Bomben und dem Täter. In jedem anderen Film hätten die Charaktere eine bessere Möglichkeit gehabt, ihr Potential zu entfalten. Und auch wenn das Ergebnis so gewesen wäre wie die genannten Filme oder viele andere, er wäre trotzdem besser gewesen als das eigentliche Ergebnis.

Was will "Unthinkable" sein? Ein Polit-Psychothriller vielleicht? Ein Anti-Kriegsfilm über den "Krieg gegen den Terror"? Ich sage euch, was er für mich ist: Ein zynisches, brutales und mit bösartigen Klischees vollgepumptes Machwerk von Leuten, die mit der Kombination von Terrorismus und Folter - der Darstellung eines "Böse gegen Böse" Duells - eine emotionale Reaktion bei ihrem Publikum provozieren wollten und vielleicht hofften, den Film kontrovers und damit interessant zu machen. Eine Reaktion könnt ihr von mir haben: Ich bin sauer, dass ich meine Zeit mit diesem Film verschwendet habe!

2/10 Punkte

Dienstag, 18. Januar 2011

Review: "Devil" (2010)

Tja, wieder einen neuen Film gesehen. "Devil".

Im Grunde habe ich den Film hauptsächlich deswegen gesehen, weil Filme mit Fahrstühlen whl die einzigen sind, die mich noch ansatzweise gruseln können. Aber im Grunde ist die Prämisse eine ziemlich einfache, die Idee im Grunde von früheren Filmen her abgeleitet und weiterentwickelt, und das Ergebnis unspektakulär bis vorhersehbar. Aber wenn ich es mir recht überlege, was habe ich eigentlich erwartet?

Fünf Menschen bleiben in einem Fahrstuhl stecken. Kennen wir seit den frühen Achtzigern, auch wenn es sonst grundsätzlich vier sind ("Fahrstuhl des Grauens", "Abwärts", "Fahrstuhl des Schreckens"... komisch, die heißen alle gleich). Was die Sache hier delikat macht, ist: Einer von ihnen ist der Teufel. Und er trachtet allen anderen nach dem Leben. Und während ein Polizist, der eigentlich nur einen Selbstmord ermitteln soll, versucht, die Story und die Eingesperrten zu retten, geht es in der steckengebliebenen Fahrstuhlkabine drunter und drüber. Besonders, wenn das Licht ausgeht.

Zugegeben, atmosphärisch ist der Film wirklich gut gelungen. Obwohl man die Schockeffekte zu Genüge kennt (und glaubt mir, flackerndes Licht ist schon so uralt, dass in anderen Filmen darüber Witze gerissen wurden), erwartet man doch nägelkauend den Ausgang der Geschichte. Zuerst einmal bleibt es beim Ratespiel: Wer ist der Böse? Aber meine Mutter und ich, beides belesene Krimifans, hatten den gleichen Tipp schon zu Anfang des Films - und der erwies sich als richtig. Entweder sind wir daher richtig, richtig gut, oder die Macher blieben in einer Zeit stecken, in der diese Auflösung noch irgendwie originell war. Nein, ich verrate nicht, wer es war - aber man kann es im Grunde schon von Szene 1 des Bösewichts an erkennen, wenn man genau hinsieht.

Aber zum Thema Vorhersehbarkeit: Es gibt für einen erfahrenen Kinogänger keine Überraschungen in diesem Film. Wer sich alleine die Szene ansieht, in der ein Mechaniker auf dem Boden eines Fahrstuhlschachts nach einem Nagetier umsieht und schon seltsame Geräusche über ihm ertönen, der weiß einfach, dass das nicht gutgehen kann. Ein Übriges tut die nervige Erzählstimme des Polizisten, die aus dem Off heraus quasi Anfang, Ende und gesamten Plot verrät. Hätten sie diese Erzählstimme weggelassen, wäre mir das alleine schon zwei Punkte mehr wert gewesen.

Was schon eher nervt als die Vorhersehbarkeit ist dieser symbolträchtige Religionskitsch, in den der Film immer weiter abdriftet. Der spirituelle Dialog am Anfang wirkt schon ziemlich überzogen, und es geht in diesem Tenor immer weiter - Glaube, Vergebung etc. sind die Themen, mit denen sich die Hauptfiguren beschäftigen, wenn sie sich bei dem eigentlichen Problem (vier Leute und ein Mörder auf engstem Raum in einem Fahrstuhl) zu langweilen scheinen. Ich habe solche Motive und ihre filmische Vergewaltigung schon in anderen Filmen "genießen" dürfen, aber da handelte es sich bei den Machern um Leute, die mit dem Christentum als solchem - oder zumindest der fundamentalistischen Auffassung einer großen Gruppe von US-Bürgern - auf dem Kriegsfuß stehen. Aber hier ist Religion die Rettung, nicht das Böse, wie in "Der Nebel". Und gerade deswegen scheint mir das Ende des Films, wo auch dieser Gut-Böse-Konflikt einen (wenig actionreichen) Höhepunkt findet, aufgesetzt und aufdringlich.

Von den meisten Schauspielern in diesem Film habe ich noch nie etwas gehört. Aber sie machten ihre Sache gut. Bokeem Woodbine war mir ein Begriff ("The Big Hit" und "The Rock"), und Matt Craven ist ein Gesicht, das man im Kino immer wieder mal um die Ecke gucken sieht. Bojana Novakovic, die Frau mit Sexappeal, spielt auch an Mel Gibsons Seite in "Auftrag Rache" mit. Aber die Hauptrolle - die des von schweren Lasten geplagten Polizisten, der trotzdem nur Gutes tun möchte - ist besetzt mit Chris Messina, einem Jim Caviezel für Arme. Ungefähr so interessant wie ein Kanten Weißbrot, und seine Tätigkeiten beschränken sich die meiste Zeit auf das Labern von Blödsinn, möchtegern-cool in der Gegend rumgucken und den richtigen Schauspielern in diesem Film im Weg rumstehen.

Also, was bleibt unterm Strich? Passable Nebenrollen, aber fehlbesetzte Hauptperson (besser: fehlbesetzter Charakter, den man gleich ganz hätte streichen sollen). Plot wenig originell, dafür die Handlung um so vorhersehbarer. Schockeffekte altmodisch und bekannt, aber relativ effektiv eingesetzt. Auf jeden Fall nicht das Kinogeld wert. Wenn er mal im Fernsehen läuft, gerne einen Blick riskieren. "Devil" hat nicht viel zu bieten - aber das Wenige unterhält zumindest.


5/10 Punkte