Bond: Sean Connery
Schurke: Joseph Wiseman (Dr. No)
Bond-Girl: Ursula Andress (Honey Ryder)
Wie oft gesehen: 2-3 Mal
Damit fing alles an. Und es war eigentlich nicht zu erkennen, welchen Erfolg das Ganze starten sollte. Denn Agentenfilme waren zu diesem Zeitpunkt nichts Neues. Und wenn ich mir „Dr. No“ so ansehe, dann gibt es eigentlich wenig bis gar nichts, was diesen Film über den B-Film-Status heben würde.
Klar, da wäre erst einmal Sean Connery. Wie jung er noch war im Vergleich zu seinen Auftritten in „Jagd auf Roter Oktober“ oder „The Rock“. Und wie agil und gleichzeitig kaltschnäuzig er sein konnte, wenn er Leute um die Ecke bringt. Aber damit hat es sich schon fast. Der Film zählt im Grunde nur, weil es eben der Anfang war. Von den Elementen, für die die meisten Bondfilme berühmt sind, (u. a. eine spektakuläre Anfangssequenz vor dem Vorspann, ein richtiges Titellied, die kreative Ausrüstung und überhaupt kreative Actionszenen) ist hier noch nichts zu sehen. Was wir kriegen, ist ein exzentrischer Superschurke, der lange Zeit ohne Gesicht bleibt, dazu eine mittelmäßige Autoverfolgung, einige weniger spektakuläre Mordszenen und die ewigen Versuche, James Bond zu töten, die natürlich alle fehlschlagen. Und die Story? Dr. No will mit rätselhaften Signalen von seiner Geheimbasis aus das amerikanische Weltraumprogramm sabotieren, um die Weltherrschaft an sich zu reißen („Of course!“). Na, wenn er meint…
Pluspunkte gibt es allerdings für das Setdesign am Ende, in der Basis des berüchtigten Dr. No. Außerdem auch die zwar sehr blasse (und leicht dümmliche) Tischdame von Mr. Bond, deren Schauspielerin mit dem Namen Ursula Andress eigentlich schon anzüglich genug für diesen Film ist. Sie wirkt im Grunde sehr jung für eine solche Rolle, macht aber meiner Meinung nach eine weitaus bessere Figur als manche der Schabracken, mit denen sich Connery in zukünftigen Filmen herumschlagen muss. Na ja, um ehrlich zu sein waren die Sechziger noch nie mein Fall gewesen.
Erwähnenswert wäre noch der erste Auftritt von Bonds langjährigem Freund Felix Leiter (ihr wisst schon, der Schwarze in den neuen Filmen – der war bis dahin noch weiß!). Einen Quotenschwarzen haben sie auch dabei, der aber im Laufe des Films sein Leben lässt (wie gesagt, die Sechziger). Und der Oberschurke, gespielt vom kürzlich verstorbenen Joseph Wiseman, passte zumindest zum übrigen Stil des Films, hätte sich allerdings auch in „Metaluna 4 antwortet nicht“ gut eingefügt.
„James Bond jagt Dr. No“ ist ein B-Film. Da führt kein Weg daran vorbei. Ohne die extravaganten Zutaten, die in späteren Filmen zum Einsatz kommen, bleibt ein Agententhriller, der mehr einer Ein-Mann-Version von „Kobra: Übernehmen Sie“, gepaart mit den Actionszenen aus „Der Rosarote Panther“, gleichkommt. Wenn es die Produzenten bei diesem Film belassen hätte, hätte kein Mensch darüber Tränen vergossen. Aber uns wäre eine ganze Menge entgangen. Davon sollen die nächsten Filme zeugen.
Für diesen Film: 5/10 Punkte
Sein Abenteuer auf der fernen Insel ist beendet, doch die Sage geht weiter. Er muss sich nun der schwersten aller Prüfungen stellen, um zu beweisen, dass er die Feder genauso gut beherrscht wie die Klinge. Doch zwischenzeitlich rief ihn das Schicksal auf eine andere Insel, belagert von untoten Kreaturen und einer intriganten Handelsfamilie. Mehr darüber demnächst...
Freitag, 4. Februar 2011
James Bond - die lange Reihe (Einführung)
„Bond. James Bond.“ „Geschüttelt, nicht gerührt.“ Wenn euch das irgendwie bekannt vorkommt – und das sollte es, es sei denn, ihr hättet die letzten 50 Jahre hinterm Mond verbracht – dann dürfte das, was ich jetzt die nächsten Beiträge schreiben werde, nur noch wenige überraschen. Geheimagent 007 alias James Bond ist nunmal eine der langlebigsten Kinofiguren aller Zeiten, mit nunmehr 22 Filmen (nicht mitgerechnet den Sean-Connery-Titel „Sag niemals nie“, auch wenn ich den auch anreißen werde, und die Parodie „Casino Royale“ aus den 60ern) und sechs Menschen, die ihn darin verkörperten. Zahllose Bösewichte ließen im Kampf gegen ihn ihr Leben, zahllose „Bond-Girls“ (im Laufe der Arbeit umbenannt in „Tischdamen“, damit ich Anglizismen vermeide) fielen in seine Arme und versetzten damit der Emanzipationsbewegung einen herben Schlag in die Fresse.
Ich bin jedenfalls ein Riesenfan dieser Filme. Na ja, der meisten Filme davon. Es gibt einige, die ich mit eher gemischten Gefühlen betrachte, und einige, die ich nicht einmal mit der Kohlenzange anfassen würde. Aber grundsätzlich mag ich James Bond. Und ich sollte endlich einmal darüber was schreiben. Einen Überblick darüber, was mir an der Reihe so gefällt – und was eher weniger. Und der Ansatz ist schnell gefunden.
Man kann über viele Dinge bei James Bond schreiben: die exotischen Schauplätze, die atemberaubenden Actionszenen, die schönen Frauen, die fiesen Schurken. Doch nichts hat die Filme so geprägt wie die Männer, die in fünfzig Jahren Kinogeschichte die Titelfigur verkörperten. Jeder dieser Schauspieler, mittlerweile weltbekannt (außer George Lazenby vielleicht), hat quasi eine eigene Ära des Bondfilms geschaffen, ein Zeitalter für einen ganz bestimmten Typus von Bond-Film. Denn auch wenn das Genre in allen Filmen grob das gleiche ist, so kann man sogar die einzelnen Filme in grundlegenden Dingen unterscheiden. Und das fängt bei den Darstellern an, die in die Rolle von 007 schlüpften.
Aber wie man es dreht und wendet, der Filmreihe wird man nur dann gerecht, wenn jeder einzelne Film beleuchtet wird.
Ich bin jedenfalls ein Riesenfan dieser Filme. Na ja, der meisten Filme davon. Es gibt einige, die ich mit eher gemischten Gefühlen betrachte, und einige, die ich nicht einmal mit der Kohlenzange anfassen würde. Aber grundsätzlich mag ich James Bond. Und ich sollte endlich einmal darüber was schreiben. Einen Überblick darüber, was mir an der Reihe so gefällt – und was eher weniger. Und der Ansatz ist schnell gefunden.
Man kann über viele Dinge bei James Bond schreiben: die exotischen Schauplätze, die atemberaubenden Actionszenen, die schönen Frauen, die fiesen Schurken. Doch nichts hat die Filme so geprägt wie die Männer, die in fünfzig Jahren Kinogeschichte die Titelfigur verkörperten. Jeder dieser Schauspieler, mittlerweile weltbekannt (außer George Lazenby vielleicht), hat quasi eine eigene Ära des Bondfilms geschaffen, ein Zeitalter für einen ganz bestimmten Typus von Bond-Film. Denn auch wenn das Genre in allen Filmen grob das gleiche ist, so kann man sogar die einzelnen Filme in grundlegenden Dingen unterscheiden. Und das fängt bei den Darstellern an, die in die Rolle von 007 schlüpften.
Aber wie man es dreht und wendet, der Filmreihe wird man nur dann gerecht, wenn jeder einzelne Film beleuchtet wird.
Montag, 31. Januar 2011
John Barry ist tot
Die Welt der Filmmusik hat heute einen großen Mann verloren: Filmkomponist John Barry, bekannt geworden durch seine Arbeit an zahlreichen James-Bond-Filmen, verstarb heute an einem Herzanfall im Alter von 77 Jahren.
Von 1962 an, als er die Musik zu "James Bond jagt Dr. No" mitkomponierte - ohne jedoch im Abspann dafür genannt zu werden - hat er mit seinen Kompositionen viele James-Bond-Filme bis hin zu "Der Hauch des Todes" von 1987 untermalt. Zu seinen bekanntesten Werken neben dieser Arbeit zählen Kompositionen für "Der mit dem Wolf tanzt" und "Jenseits von Afrika", für die er zwei seiner insgesamt fünf Oscars gewann. Seine weiteren Gewinne war ein Score-Oscar für "Der Löwe im Winter" von 1969 und der Score- sowie der Soundtrack-Oscar 1967 für "Frei geboren - Königin der Wildnis". Zuletzt schrieb er die Musik für "Das Mercury Puzzle" und "Enigma - Das Geheimnis", hat sich aber seit 2001 aus dem Geschäft zurückgezogen.
Sein tragischer Tod wurde heute morgen von David Arnold, derzeitiger Stammkomponist der Bond-Reihe und somit Nachfolger von Barry, via Twitter bekannt gegeben: "It was with a heavy heart that I tell you John Barry passed away this morning. I am profoundly saddened by the news but profoundly thankful for everything he did for music and for me personally." ("Schweren Herzens teile ich euch mit, dass John Barry an diesem Morgen von uns gegangen ist. Ich bin sehr traurig über diese Nachricht, aber auch sehr dankbar für alles, was er für die Musik und für mich persönlich getan hat."*)
Auch ich bin über diese Nachricht sehr traurig, auch wenn ich bis heute vermutet hatte, dass er längst tot sei. Ihm verdanken wir die meisten großen Musikstücke aus den James-Bond-Filmen, auch an den meisten Titelliedern war er beteiligt und hat sie mitkomponiert. Seine Musik wird uns erhalten bleiben und hoffentlich anderen, jüngeren Künstlern ein Vorbild sein - besonders denen, die sich an Kompositionen für James Bond versuchen.
Rest in peace, Mr. Barry!
* Übersetzung stammt von mir
Von 1962 an, als er die Musik zu "James Bond jagt Dr. No" mitkomponierte - ohne jedoch im Abspann dafür genannt zu werden - hat er mit seinen Kompositionen viele James-Bond-Filme bis hin zu "Der Hauch des Todes" von 1987 untermalt. Zu seinen bekanntesten Werken neben dieser Arbeit zählen Kompositionen für "Der mit dem Wolf tanzt" und "Jenseits von Afrika", für die er zwei seiner insgesamt fünf Oscars gewann. Seine weiteren Gewinne war ein Score-Oscar für "Der Löwe im Winter" von 1969 und der Score- sowie der Soundtrack-Oscar 1967 für "Frei geboren - Königin der Wildnis". Zuletzt schrieb er die Musik für "Das Mercury Puzzle" und "Enigma - Das Geheimnis", hat sich aber seit 2001 aus dem Geschäft zurückgezogen.
Sein tragischer Tod wurde heute morgen von David Arnold, derzeitiger Stammkomponist der Bond-Reihe und somit Nachfolger von Barry, via Twitter bekannt gegeben: "It was with a heavy heart that I tell you John Barry passed away this morning. I am profoundly saddened by the news but profoundly thankful for everything he did for music and for me personally." ("Schweren Herzens teile ich euch mit, dass John Barry an diesem Morgen von uns gegangen ist. Ich bin sehr traurig über diese Nachricht, aber auch sehr dankbar für alles, was er für die Musik und für mich persönlich getan hat."*)
Auch ich bin über diese Nachricht sehr traurig, auch wenn ich bis heute vermutet hatte, dass er längst tot sei. Ihm verdanken wir die meisten großen Musikstücke aus den James-Bond-Filmen, auch an den meisten Titelliedern war er beteiligt und hat sie mitkomponiert. Seine Musik wird uns erhalten bleiben und hoffentlich anderen, jüngeren Künstlern ein Vorbild sein - besonders denen, die sich an Kompositionen für James Bond versuchen.
Rest in peace, Mr. Barry!
* Übersetzung stammt von mir
Donnerstag, 20. Januar 2011
Review "Unthinkable" (2010)
Ehrlich gesagt, ich bin mir nicht einmal jetzt darüber sicher, ob ich wirklich etwas zu diesem Film schreiben soll. Ihn als geschmacklos-zynischen Folterfilm abzutun, würde ihm nicht ganz gerecht. Ihn allerdings als filmisches Meisterwerk, das zum Nachdenken anregt, in den Himmel zu loben, ganz und gar nicht. Nicht, dass ich die Tatsache leugnen will, dass er zum Nachdenken anregt.
Die Story: Ein Terrorist, gespielt von Michael Sheen, hat drei Atombomben in Großstädten der USA versteckt, die in einer Woche zünden. Wobei, der Begriff "Terrorist" steht eigentlich hier schon in Frage: Er ist amerikanischer Staatsbürger, der zum Islam konvertiert hat (und niemand weiß warum). Ein paar Tage vor der Zündung wird er verhaftet und in eine geheime Einrichtung gebracht, wo CIA, FBI und Militär versuchen, den Standort der Bomben aus ihm herauszubekommen.
Und so geht ein brutales Verhör los, bei dem wirklich jedes Mittel eingesetzt wird, um den Verhafteten zum Reden zu bringen. Samuel L. Jackson wird als der Haupt-Folterknecht tätig, und der Film dreht sich um das "Psychospiel", wenn man das so nennen kann, zwischen ihm und Sheen. Dazwischen steht Carrie-Anne Moss ("Memento" und "Matrix") als das Gewissen, in Form einer FBI-Agentin. Die restlichen Charaktere sind echt Nebensache.
Traurigerweise hat der Film für mich nur eine Botschaft: Alle sind böse. Die Amerikaner, weil sie Folter und Erpressung einsetzen und das auch noch gerechtfertigt sehen; der Terrorist (man nenne ihn bitte in diesem Film Yusef, damit klar ist, dass er dies für die Moslems tut) bringt Millionen Unschuldiger um, um seine fadenscheinigen Ziele zu erreichen. Selbst die gutherzige FBI-Agentin wird am Ende doch hart und böse und befürwortet, dass die Foltersitzung fortgesetzt wird, auch wenn Jackson selber keine Lust mehr dazu hat. Ein Ende ist erst abzusehen, als auch noch gedroht wird, die Kinder des Terroristen zu foltern - hier kristallisiert sich dann heraus, dass der einzig wahre Böse natürlich der Beauftragte aus dem Weißen Haus ist, der die ganze Zeit still im Hintergrund gesessen hat.
Man nimmt aus diesem Film nichts mit, außer vielleicht dem Gedanken, dass man froh ist, weder Amerikaner noch Moslem zu sein. Politisch hat der Film ungefähr soviel wert wie ein Artikel auf GMX, aber er regt die Emotionen an und will einen darüber nachdenken lassen, wie man sich in solch einer Situation verhalten würde - woran er aber kläglich scheitert. Mit genügend Abstand erkennt man, auf welchen wackeligen Füßen die ganze Grundidee steht - eine Ansammlung von Klischees übelster Sorte, gepaart mit der Aktualität der dargestellten Probleme, was das Ganze nur noch schlimmer macht. Alle beteiligten Figuren sind praktisch Karikaturen von Guantanamo Bay und dem 11. September. Dramaturgisch ausgebaut, damit sie dem Fortlauf des Films helfen.
Das Schlimmste daran ist die Motivation aller Beteiligten. Der Terrorist sagt an einer Stelle, dass er die Amerikaner dazu zwingen will, ihre Truppen aus den islamistischen Ländern abzuziehen und ihre finanzielle Unterstützung von Diktatoren in diesen Ländern zu beenden. An sich zwei vernünftiger Anliegen, was auch manche Nebencharaktere in der darauf folgenden Diskussion zugeben. Aber: Warum zum Teufel muss uns der Film ständig reinreiben, dass der Terrorist dem Islam angehört? Für die Umsetzung dieses Anliegens hätte ein Amerikaner mit Sockenschuss gereicht, dem der allgegenwärtige Patriotismus zum Hals raushängt - oder vielleicht jemand, der selber in diesen Ländern als Soldat stationiert war und eingesehen hat, dass die USA dort nichts verloren hat. Aber nein, der Böse ist ein Moslem. Die Amerikaner sind da aber auch nicht viel besser: Sie wollen Unschuldige schützen, um jeden Preis - auch wenn im Laufe der Geschichte Unschuldige nicht einfach sterben, sondern gefoltert werden sollen. Und es sind schließlich ihre eigenen Unschuldigen, die sie schützen wollen - denn immerhin sterben bei ihren Feldzügen gegen das Böse laufend Unschuldige in anderen Ländern.
Bedauerlicherweise ist der Film handwerklich ziemlich gut. Und bis zu der Stelle, wo sie mit der Folter anfangen (rund fünfzehn Minuten im Film) hatte er wirklich Potential - er hätte ein Actionfilm wie "Einsame Entscheidung" oder "Projekt Peacemaker" werden können, vielleicht auch ein Thriller wie "Ausnahmezustand" oder zumindest die spannende Suche nach den Bomben und dem Täter. In jedem anderen Film hätten die Charaktere eine bessere Möglichkeit gehabt, ihr Potential zu entfalten. Und auch wenn das Ergebnis so gewesen wäre wie die genannten Filme oder viele andere, er wäre trotzdem besser gewesen als das eigentliche Ergebnis.
Was will "Unthinkable" sein? Ein Polit-Psychothriller vielleicht? Ein Anti-Kriegsfilm über den "Krieg gegen den Terror"? Ich sage euch, was er für mich ist: Ein zynisches, brutales und mit bösartigen Klischees vollgepumptes Machwerk von Leuten, die mit der Kombination von Terrorismus und Folter - der Darstellung eines "Böse gegen Böse" Duells - eine emotionale Reaktion bei ihrem Publikum provozieren wollten und vielleicht hofften, den Film kontrovers und damit interessant zu machen. Eine Reaktion könnt ihr von mir haben: Ich bin sauer, dass ich meine Zeit mit diesem Film verschwendet habe!
2/10 Punkte
Die Story: Ein Terrorist, gespielt von Michael Sheen, hat drei Atombomben in Großstädten der USA versteckt, die in einer Woche zünden. Wobei, der Begriff "Terrorist" steht eigentlich hier schon in Frage: Er ist amerikanischer Staatsbürger, der zum Islam konvertiert hat (und niemand weiß warum). Ein paar Tage vor der Zündung wird er verhaftet und in eine geheime Einrichtung gebracht, wo CIA, FBI und Militär versuchen, den Standort der Bomben aus ihm herauszubekommen.
Und so geht ein brutales Verhör los, bei dem wirklich jedes Mittel eingesetzt wird, um den Verhafteten zum Reden zu bringen. Samuel L. Jackson wird als der Haupt-Folterknecht tätig, und der Film dreht sich um das "Psychospiel", wenn man das so nennen kann, zwischen ihm und Sheen. Dazwischen steht Carrie-Anne Moss ("Memento" und "Matrix") als das Gewissen, in Form einer FBI-Agentin. Die restlichen Charaktere sind echt Nebensache.
Traurigerweise hat der Film für mich nur eine Botschaft: Alle sind böse. Die Amerikaner, weil sie Folter und Erpressung einsetzen und das auch noch gerechtfertigt sehen; der Terrorist (man nenne ihn bitte in diesem Film Yusef, damit klar ist, dass er dies für die Moslems tut) bringt Millionen Unschuldiger um, um seine fadenscheinigen Ziele zu erreichen. Selbst die gutherzige FBI-Agentin wird am Ende doch hart und böse und befürwortet, dass die Foltersitzung fortgesetzt wird, auch wenn Jackson selber keine Lust mehr dazu hat. Ein Ende ist erst abzusehen, als auch noch gedroht wird, die Kinder des Terroristen zu foltern - hier kristallisiert sich dann heraus, dass der einzig wahre Böse natürlich der Beauftragte aus dem Weißen Haus ist, der die ganze Zeit still im Hintergrund gesessen hat.
Man nimmt aus diesem Film nichts mit, außer vielleicht dem Gedanken, dass man froh ist, weder Amerikaner noch Moslem zu sein. Politisch hat der Film ungefähr soviel wert wie ein Artikel auf GMX, aber er regt die Emotionen an und will einen darüber nachdenken lassen, wie man sich in solch einer Situation verhalten würde - woran er aber kläglich scheitert. Mit genügend Abstand erkennt man, auf welchen wackeligen Füßen die ganze Grundidee steht - eine Ansammlung von Klischees übelster Sorte, gepaart mit der Aktualität der dargestellten Probleme, was das Ganze nur noch schlimmer macht. Alle beteiligten Figuren sind praktisch Karikaturen von Guantanamo Bay und dem 11. September. Dramaturgisch ausgebaut, damit sie dem Fortlauf des Films helfen.
Das Schlimmste daran ist die Motivation aller Beteiligten. Der Terrorist sagt an einer Stelle, dass er die Amerikaner dazu zwingen will, ihre Truppen aus den islamistischen Ländern abzuziehen und ihre finanzielle Unterstützung von Diktatoren in diesen Ländern zu beenden. An sich zwei vernünftiger Anliegen, was auch manche Nebencharaktere in der darauf folgenden Diskussion zugeben. Aber: Warum zum Teufel muss uns der Film ständig reinreiben, dass der Terrorist dem Islam angehört? Für die Umsetzung dieses Anliegens hätte ein Amerikaner mit Sockenschuss gereicht, dem der allgegenwärtige Patriotismus zum Hals raushängt - oder vielleicht jemand, der selber in diesen Ländern als Soldat stationiert war und eingesehen hat, dass die USA dort nichts verloren hat. Aber nein, der Böse ist ein Moslem. Die Amerikaner sind da aber auch nicht viel besser: Sie wollen Unschuldige schützen, um jeden Preis - auch wenn im Laufe der Geschichte Unschuldige nicht einfach sterben, sondern gefoltert werden sollen. Und es sind schließlich ihre eigenen Unschuldigen, die sie schützen wollen - denn immerhin sterben bei ihren Feldzügen gegen das Böse laufend Unschuldige in anderen Ländern.
Bedauerlicherweise ist der Film handwerklich ziemlich gut. Und bis zu der Stelle, wo sie mit der Folter anfangen (rund fünfzehn Minuten im Film) hatte er wirklich Potential - er hätte ein Actionfilm wie "Einsame Entscheidung" oder "Projekt Peacemaker" werden können, vielleicht auch ein Thriller wie "Ausnahmezustand" oder zumindest die spannende Suche nach den Bomben und dem Täter. In jedem anderen Film hätten die Charaktere eine bessere Möglichkeit gehabt, ihr Potential zu entfalten. Und auch wenn das Ergebnis so gewesen wäre wie die genannten Filme oder viele andere, er wäre trotzdem besser gewesen als das eigentliche Ergebnis.
Was will "Unthinkable" sein? Ein Polit-Psychothriller vielleicht? Ein Anti-Kriegsfilm über den "Krieg gegen den Terror"? Ich sage euch, was er für mich ist: Ein zynisches, brutales und mit bösartigen Klischees vollgepumptes Machwerk von Leuten, die mit der Kombination von Terrorismus und Folter - der Darstellung eines "Böse gegen Böse" Duells - eine emotionale Reaktion bei ihrem Publikum provozieren wollten und vielleicht hofften, den Film kontrovers und damit interessant zu machen. Eine Reaktion könnt ihr von mir haben: Ich bin sauer, dass ich meine Zeit mit diesem Film verschwendet habe!
2/10 Punkte
Dienstag, 18. Januar 2011
Review: "Devil" (2010)
Tja, wieder einen neuen Film gesehen. "Devil".
Im Grunde habe ich den Film hauptsächlich deswegen gesehen, weil Filme mit Fahrstühlen whl die einzigen sind, die mich noch ansatzweise gruseln können. Aber im Grunde ist die Prämisse eine ziemlich einfache, die Idee im Grunde von früheren Filmen her abgeleitet und weiterentwickelt, und das Ergebnis unspektakulär bis vorhersehbar. Aber wenn ich es mir recht überlege, was habe ich eigentlich erwartet?
Fünf Menschen bleiben in einem Fahrstuhl stecken. Kennen wir seit den frühen Achtzigern, auch wenn es sonst grundsätzlich vier sind ("Fahrstuhl des Grauens", "Abwärts", "Fahrstuhl des Schreckens"... komisch, die heißen alle gleich). Was die Sache hier delikat macht, ist: Einer von ihnen ist der Teufel. Und er trachtet allen anderen nach dem Leben. Und während ein Polizist, der eigentlich nur einen Selbstmord ermitteln soll, versucht, die Story und die Eingesperrten zu retten, geht es in der steckengebliebenen Fahrstuhlkabine drunter und drüber. Besonders, wenn das Licht ausgeht.
Zugegeben, atmosphärisch ist der Film wirklich gut gelungen. Obwohl man die Schockeffekte zu Genüge kennt (und glaubt mir, flackerndes Licht ist schon so uralt, dass in anderen Filmen darüber Witze gerissen wurden), erwartet man doch nägelkauend den Ausgang der Geschichte. Zuerst einmal bleibt es beim Ratespiel: Wer ist der Böse? Aber meine Mutter und ich, beides belesene Krimifans, hatten den gleichen Tipp schon zu Anfang des Films - und der erwies sich als richtig. Entweder sind wir daher richtig, richtig gut, oder die Macher blieben in einer Zeit stecken, in der diese Auflösung noch irgendwie originell war. Nein, ich verrate nicht, wer es war - aber man kann es im Grunde schon von Szene 1 des Bösewichts an erkennen, wenn man genau hinsieht.
Aber zum Thema Vorhersehbarkeit: Es gibt für einen erfahrenen Kinogänger keine Überraschungen in diesem Film. Wer sich alleine die Szene ansieht, in der ein Mechaniker auf dem Boden eines Fahrstuhlschachts nach einem Nagetier umsieht und schon seltsame Geräusche über ihm ertönen, der weiß einfach, dass das nicht gutgehen kann. Ein Übriges tut die nervige Erzählstimme des Polizisten, die aus dem Off heraus quasi Anfang, Ende und gesamten Plot verrät. Hätten sie diese Erzählstimme weggelassen, wäre mir das alleine schon zwei Punkte mehr wert gewesen.
Was schon eher nervt als die Vorhersehbarkeit ist dieser symbolträchtige Religionskitsch, in den der Film immer weiter abdriftet. Der spirituelle Dialog am Anfang wirkt schon ziemlich überzogen, und es geht in diesem Tenor immer weiter - Glaube, Vergebung etc. sind die Themen, mit denen sich die Hauptfiguren beschäftigen, wenn sie sich bei dem eigentlichen Problem (vier Leute und ein Mörder auf engstem Raum in einem Fahrstuhl) zu langweilen scheinen. Ich habe solche Motive und ihre filmische Vergewaltigung schon in anderen Filmen "genießen" dürfen, aber da handelte es sich bei den Machern um Leute, die mit dem Christentum als solchem - oder zumindest der fundamentalistischen Auffassung einer großen Gruppe von US-Bürgern - auf dem Kriegsfuß stehen. Aber hier ist Religion die Rettung, nicht das Böse, wie in "Der Nebel". Und gerade deswegen scheint mir das Ende des Films, wo auch dieser Gut-Böse-Konflikt einen (wenig actionreichen) Höhepunkt findet, aufgesetzt und aufdringlich.
Von den meisten Schauspielern in diesem Film habe ich noch nie etwas gehört. Aber sie machten ihre Sache gut. Bokeem Woodbine war mir ein Begriff ("The Big Hit" und "The Rock"), und Matt Craven ist ein Gesicht, das man im Kino immer wieder mal um die Ecke gucken sieht. Bojana Novakovic, die Frau mit Sexappeal, spielt auch an Mel Gibsons Seite in "Auftrag Rache" mit. Aber die Hauptrolle - die des von schweren Lasten geplagten Polizisten, der trotzdem nur Gutes tun möchte - ist besetzt mit Chris Messina, einem Jim Caviezel für Arme. Ungefähr so interessant wie ein Kanten Weißbrot, und seine Tätigkeiten beschränken sich die meiste Zeit auf das Labern von Blödsinn, möchtegern-cool in der Gegend rumgucken und den richtigen Schauspielern in diesem Film im Weg rumstehen.
Also, was bleibt unterm Strich? Passable Nebenrollen, aber fehlbesetzte Hauptperson (besser: fehlbesetzter Charakter, den man gleich ganz hätte streichen sollen). Plot wenig originell, dafür die Handlung um so vorhersehbarer. Schockeffekte altmodisch und bekannt, aber relativ effektiv eingesetzt. Auf jeden Fall nicht das Kinogeld wert. Wenn er mal im Fernsehen läuft, gerne einen Blick riskieren. "Devil" hat nicht viel zu bieten - aber das Wenige unterhält zumindest.
5/10 Punkte
Im Grunde habe ich den Film hauptsächlich deswegen gesehen, weil Filme mit Fahrstühlen whl die einzigen sind, die mich noch ansatzweise gruseln können. Aber im Grunde ist die Prämisse eine ziemlich einfache, die Idee im Grunde von früheren Filmen her abgeleitet und weiterentwickelt, und das Ergebnis unspektakulär bis vorhersehbar. Aber wenn ich es mir recht überlege, was habe ich eigentlich erwartet?
Fünf Menschen bleiben in einem Fahrstuhl stecken. Kennen wir seit den frühen Achtzigern, auch wenn es sonst grundsätzlich vier sind ("Fahrstuhl des Grauens", "Abwärts", "Fahrstuhl des Schreckens"... komisch, die heißen alle gleich). Was die Sache hier delikat macht, ist: Einer von ihnen ist der Teufel. Und er trachtet allen anderen nach dem Leben. Und während ein Polizist, der eigentlich nur einen Selbstmord ermitteln soll, versucht, die Story und die Eingesperrten zu retten, geht es in der steckengebliebenen Fahrstuhlkabine drunter und drüber. Besonders, wenn das Licht ausgeht.
Zugegeben, atmosphärisch ist der Film wirklich gut gelungen. Obwohl man die Schockeffekte zu Genüge kennt (und glaubt mir, flackerndes Licht ist schon so uralt, dass in anderen Filmen darüber Witze gerissen wurden), erwartet man doch nägelkauend den Ausgang der Geschichte. Zuerst einmal bleibt es beim Ratespiel: Wer ist der Böse? Aber meine Mutter und ich, beides belesene Krimifans, hatten den gleichen Tipp schon zu Anfang des Films - und der erwies sich als richtig. Entweder sind wir daher richtig, richtig gut, oder die Macher blieben in einer Zeit stecken, in der diese Auflösung noch irgendwie originell war. Nein, ich verrate nicht, wer es war - aber man kann es im Grunde schon von Szene 1 des Bösewichts an erkennen, wenn man genau hinsieht.
Aber zum Thema Vorhersehbarkeit: Es gibt für einen erfahrenen Kinogänger keine Überraschungen in diesem Film. Wer sich alleine die Szene ansieht, in der ein Mechaniker auf dem Boden eines Fahrstuhlschachts nach einem Nagetier umsieht und schon seltsame Geräusche über ihm ertönen, der weiß einfach, dass das nicht gutgehen kann. Ein Übriges tut die nervige Erzählstimme des Polizisten, die aus dem Off heraus quasi Anfang, Ende und gesamten Plot verrät. Hätten sie diese Erzählstimme weggelassen, wäre mir das alleine schon zwei Punkte mehr wert gewesen.
Was schon eher nervt als die Vorhersehbarkeit ist dieser symbolträchtige Religionskitsch, in den der Film immer weiter abdriftet. Der spirituelle Dialog am Anfang wirkt schon ziemlich überzogen, und es geht in diesem Tenor immer weiter - Glaube, Vergebung etc. sind die Themen, mit denen sich die Hauptfiguren beschäftigen, wenn sie sich bei dem eigentlichen Problem (vier Leute und ein Mörder auf engstem Raum in einem Fahrstuhl) zu langweilen scheinen. Ich habe solche Motive und ihre filmische Vergewaltigung schon in anderen Filmen "genießen" dürfen, aber da handelte es sich bei den Machern um Leute, die mit dem Christentum als solchem - oder zumindest der fundamentalistischen Auffassung einer großen Gruppe von US-Bürgern - auf dem Kriegsfuß stehen. Aber hier ist Religion die Rettung, nicht das Böse, wie in "Der Nebel". Und gerade deswegen scheint mir das Ende des Films, wo auch dieser Gut-Böse-Konflikt einen (wenig actionreichen) Höhepunkt findet, aufgesetzt und aufdringlich.
Von den meisten Schauspielern in diesem Film habe ich noch nie etwas gehört. Aber sie machten ihre Sache gut. Bokeem Woodbine war mir ein Begriff ("The Big Hit" und "The Rock"), und Matt Craven ist ein Gesicht, das man im Kino immer wieder mal um die Ecke gucken sieht. Bojana Novakovic, die Frau mit Sexappeal, spielt auch an Mel Gibsons Seite in "Auftrag Rache" mit. Aber die Hauptrolle - die des von schweren Lasten geplagten Polizisten, der trotzdem nur Gutes tun möchte - ist besetzt mit Chris Messina, einem Jim Caviezel für Arme. Ungefähr so interessant wie ein Kanten Weißbrot, und seine Tätigkeiten beschränken sich die meiste Zeit auf das Labern von Blödsinn, möchtegern-cool in der Gegend rumgucken und den richtigen Schauspielern in diesem Film im Weg rumstehen.
Also, was bleibt unterm Strich? Passable Nebenrollen, aber fehlbesetzte Hauptperson (besser: fehlbesetzter Charakter, den man gleich ganz hätte streichen sollen). Plot wenig originell, dafür die Handlung um so vorhersehbarer. Schockeffekte altmodisch und bekannt, aber relativ effektiv eingesetzt. Auf jeden Fall nicht das Kinogeld wert. Wenn er mal im Fernsehen läuft, gerne einen Blick riskieren. "Devil" hat nicht viel zu bieten - aber das Wenige unterhält zumindest.
5/10 Punkte
Samstag, 18. Dezember 2010
Review: "Unstoppable" (2010)
Katastrophenfilme... oh Mann... ich kann die Dinger eigentlich nicht leiden. Seit "Flammendes Inferno" in den Siebzigern gab es immer wieder diese durch irgendwelche Katastrophen unterbrochenen Seifenopern mit Charakteren, die 1. mehr Klischees haben als ein US-Army-Werbespot im Kalten Krieg und 2. mich grundsätzlich nicht die Bohne interessieren. Vor allem nicht, wie sie ihre kleinen nichtigen Probleme auf die Reihe kriegen, während um sie herum gerade die Welt auseinanderbricht. Beispiele: "Erdbeben" (mit Charlton Heston - gegen den darf ich nichts Schlechtes sagen, sonst haut mich meine Mutter), "Dante's Peak" (mit Pierce Brosnan, und ich fand "Volcano" entschieden besser), sämtliche "Airport"-Filme (über die ich auch nichts sagen brauche, seitdem ZAZ (Zucker, Abrahams, Zucker) "Die unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug" gedreht haben) sowie Emmerichs neuester Blockbuster "2012" (vor "Day After Tomorrow" habe ich mich bis heute drücken können...). Und im Grunde kann man "The Mist" auch noch dazuzählen.
Und jetzt kommt das große Problem eines Katastrophenfilms, der sich aber geschickt als Actionfilm tarnt und auch von einem Regisseur gedreht wurde, der bislang eher in der Action- bzw. Thrillersparte gearbeitet hat. Ihr kennt ihn alle, den Schnittberserker Tony Scott. Früher einer der Gründe, weshalb die Paramount-Studios so in Geldnot gerieten (nachdem "Tage des Donners" ein grandioser Flop wurde), heute wohl einer der Gründe, warum die MTV-verseuchte Zuschauerschaft auf Schnitte im Viertelsekundentakt und verwackelte Handkameras stehen. Er macht zwar auch noch handwerklich solide Filme (jedenfalls habe ich "Deja Vu" und "Pelham 123" so empfunden), aber Filme wie "Man on Fire" oder "Domino" kann man als normaler Zuschauer nicht ansehen. Wirklich, man wird blind von und muss kotzen! Filmgewordenes Methanol, kann man da sagen.
Also, ist sein neuer Film "Unstoppable" jetzt eher Methanol oder Ethanol? Berauscht er die Sinne und gibt einem ein gutes Gefühl, bis man nüchtern wird, oder hat er starke Nebenwirkungen?
Na ja, am Anfang sieht man eine Menge Eisenbahn. Und auch später. Eigentlich während des ganzen Films. Mein Vater, ein Fan von Eisenbahn, kam voll auf seine Kosten, aber jeder, der nicht das geringste Interesse an Zügen hat, wird den Film wohl ziemlich langweilig finden. Aber zurück zur Story: Der ganze Ärger fängt an, als ein Rangierer irgendwo auf dem Abstellgleis mit einem riesigen Güterzug herumspielt und nicht EINEN, nicht ZWEI, sondern gleich DREI Fehler macht, für die man sich echt an die Stirn greifen möchte! (Jeder dürfte sich fragen, wie man soooooo blöd sein kann, aber ich erkannte den Typen - es ist der minderbemittelte Bruder von Earl Hickey aus "My Name is Earl".) Die Folge: Ein immer weiter beschleunigender Güterzug, dessen Bremsen nicht angeschlossen sind, in dessen Führerhaus keiner sitzt und der so viel Ladung hat, dass ihn alleine von Masse und Geschwindigkeit her keiner aufhalten kann.
Aber davon erst einmal genug. Die Leute in der Kommandozentrale (wie bei "Armageddon" sitzen sie nur ohnmächtig da, gucken auf Bildschirme, brüllen in Funkgeräte und beten, das nichts Größeres schief geht) haben sich für diesen Tag auf den Besuch einer Schulklasse vorbereitet. Diese Schulklasse fährt mit dem Zug, der sich dann auf Kollisionskurs mit dem amokfahrenden Güterzug befindet. Um die Dramatik zu erhöhen, wird alle zehn Sekunden (gefühlt) diese Schulklasse gezeigt. Nach dem dritten Schnitt dahin wünscht man sich fast das Unglück herbei!
Ach, ich vergesse ja die beiden Hauptdarsteller! Kann leicht passieren, denn während die Katastrophe in Richtung besiedelte Gebiete unterwegs ist, gondeln die in aller Gemütsruhe auf einem anderen Gleis. Wenn ich vorstellen dürfte: Denzel Washington (neuerdings in fast jedem Tony-Scott-Film dabei, kommt auch nicht unbedingt aus jedem lebend raus) als "Veteran der Eisenbahnlinie", ein Zugtechniker, der seit 28 Jahren dabei ist; Witwer mit zwei fast erwachsenen Töchtern, hat zudem schon von seiner Zwangspensionierung erfahren, die in 18 Tagen in Kraft tritt. Hat quasi noch zwei Tage bis zur Pensionierung und trägt bestimmt irgendwo ein rotes Hemd drunter. Und Chris Pine: Ehemals Captain Kirk im schlechtesten Star-Trek-Film aller Zeiten, heute ein junger aufstrebender Lokführer in der Probezeit, zudem halb geschieden und bei seinem Bruder nächtigend, solange die einstweilige Verfügung ihn von seiner Familie fernhält - ich glaube, ihr versteht schon, worum es hier geht. Die Zeiten haben sich geändert, aber nicht die Anzahl der Klischees. Diese beiden sind die einzigen Leute in dem Film, denen die Screentime es erlaubt, einen Hintergrund zu haben, aber ihre Lebensgeschichte stammt aus dem Setzbaukasten für Katastrophenfilme. Aber wir erfahren quasi alles Mögliche über sie - weil sie alle Zeit der Welt haben und von der eigentlichen Handlung bis zur zweiten Hälfte des Films NICHTS MITKRIEGEN!
Stattdessen die Schnitte zur Kommandozentrale und zu Ned, dem einzigen wirklich coolen Charakter im Film (also meiner Meinung nach, weil er lange Haare hat, einen Pickup fährt und die Synchronstimme von Biff aus "Zurück in die Zukunft" hat). Sie versuchen, zu retten, was zu retten ist - allerdings wollen die Leute in der Kommandozentrale, die um das Leben der vielen potentiellen Opfer besorgt sind, den Zug an ungefährlicher Stelle entgleisen lassen; die Machthaber in der Firmenzentrale hingegen haben andere Sorgen: "Wie wird sich unsere Aktie entwickeln, wenn der Zug zerstört wird?" "Minus 40 Prozent." Ist gebongt, wir starten einen halsbrecherischen Versuch mit einem Kriegshelden aus Afghanistan und einer Lok mit einem weiteren Veteranen der Eisenbahn als Lokführer, der wahrscheinlich auch nur zwei Tage bis zur Pensionierung hat...
Hier will ich mit den Spoilern mal lieber aufhören, aber jeder, der genug Katastrophenfilme gesehen hat, weiß ungefähr, wie der Hase läuft. Die Situation spitzt sich immer mehr zu, dann greifen irgendwann die Helden ein, geraten in ein paar auswegslose Situationen, schaffen es am Ende aber doch... Oder? Schaffen sie es denn alle? Tja, wenn ihr den Film noch sehen wollt, verrate ich davon lieber nichts. Und ich muss zugeben: Abgesehen von den Waggonladungen Klischees aus Katastrophenfilmen ist "Unstoppable" ziemlich spannend. Zwar nicht immer plausibel (wenn man den Kritiken der ausgerasteten Zugtechniker bei IMDB glauben darf, die diesen Film für hanebüchenen Unsinn halten), teilweise auch arg überdramatisiert (im Speziellen diese unnötigen Schnitte zu diesen absolut nervigen Schulkindern), aber spannend und für einen Katastrophenfilm gnädigerweise sehr kurz.
Im Grunde ist "Unstoppable" ein Katastrophenfilm mit hohem Actionanteil, der sich vornehmlich an Eisenbahnfans und Fans der beiden Hauptdarsteller richtet. Aber im Grunde ist es immer das Gleiche, wie schon vor bald vierzig Jahren: Der kleine Mann korrigiert den Fehler, den ein großer Idiot verursacht und den machtgierige große Männer zu ignorieren versuchen. Die Nebencharaktere haben keine nennenswerte Persönlichkeit, die dramatischen Szenen sind aufgesetzt, unnötige Nebenszenen stören den Fluss des Films und... Tony Scott, begreife endlich, dass nich jeder deiner Zuschauer unter ADS leidet wie du! Der Film ist spannend, das muss man ihm lassen. Wenn man einmal vergessen kann, dass er nur auf eine Art und Weise ausgehen kann, ist er spannend. Aber einmal sehen reicht völlig.
6/10 Punkte
Und jetzt kommt das große Problem eines Katastrophenfilms, der sich aber geschickt als Actionfilm tarnt und auch von einem Regisseur gedreht wurde, der bislang eher in der Action- bzw. Thrillersparte gearbeitet hat. Ihr kennt ihn alle, den Schnittberserker Tony Scott. Früher einer der Gründe, weshalb die Paramount-Studios so in Geldnot gerieten (nachdem "Tage des Donners" ein grandioser Flop wurde), heute wohl einer der Gründe, warum die MTV-verseuchte Zuschauerschaft auf Schnitte im Viertelsekundentakt und verwackelte Handkameras stehen. Er macht zwar auch noch handwerklich solide Filme (jedenfalls habe ich "Deja Vu" und "Pelham 123" so empfunden), aber Filme wie "Man on Fire" oder "Domino" kann man als normaler Zuschauer nicht ansehen. Wirklich, man wird blind von und muss kotzen! Filmgewordenes Methanol, kann man da sagen.
Also, ist sein neuer Film "Unstoppable" jetzt eher Methanol oder Ethanol? Berauscht er die Sinne und gibt einem ein gutes Gefühl, bis man nüchtern wird, oder hat er starke Nebenwirkungen?
Na ja, am Anfang sieht man eine Menge Eisenbahn. Und auch später. Eigentlich während des ganzen Films. Mein Vater, ein Fan von Eisenbahn, kam voll auf seine Kosten, aber jeder, der nicht das geringste Interesse an Zügen hat, wird den Film wohl ziemlich langweilig finden. Aber zurück zur Story: Der ganze Ärger fängt an, als ein Rangierer irgendwo auf dem Abstellgleis mit einem riesigen Güterzug herumspielt und nicht EINEN, nicht ZWEI, sondern gleich DREI Fehler macht, für die man sich echt an die Stirn greifen möchte! (Jeder dürfte sich fragen, wie man soooooo blöd sein kann, aber ich erkannte den Typen - es ist der minderbemittelte Bruder von Earl Hickey aus "My Name is Earl".) Die Folge: Ein immer weiter beschleunigender Güterzug, dessen Bremsen nicht angeschlossen sind, in dessen Führerhaus keiner sitzt und der so viel Ladung hat, dass ihn alleine von Masse und Geschwindigkeit her keiner aufhalten kann.
Aber davon erst einmal genug. Die Leute in der Kommandozentrale (wie bei "Armageddon" sitzen sie nur ohnmächtig da, gucken auf Bildschirme, brüllen in Funkgeräte und beten, das nichts Größeres schief geht) haben sich für diesen Tag auf den Besuch einer Schulklasse vorbereitet. Diese Schulklasse fährt mit dem Zug, der sich dann auf Kollisionskurs mit dem amokfahrenden Güterzug befindet. Um die Dramatik zu erhöhen, wird alle zehn Sekunden (gefühlt) diese Schulklasse gezeigt. Nach dem dritten Schnitt dahin wünscht man sich fast das Unglück herbei!
Ach, ich vergesse ja die beiden Hauptdarsteller! Kann leicht passieren, denn während die Katastrophe in Richtung besiedelte Gebiete unterwegs ist, gondeln die in aller Gemütsruhe auf einem anderen Gleis. Wenn ich vorstellen dürfte: Denzel Washington (neuerdings in fast jedem Tony-Scott-Film dabei, kommt auch nicht unbedingt aus jedem lebend raus) als "Veteran der Eisenbahnlinie", ein Zugtechniker, der seit 28 Jahren dabei ist; Witwer mit zwei fast erwachsenen Töchtern, hat zudem schon von seiner Zwangspensionierung erfahren, die in 18 Tagen in Kraft tritt. Hat quasi noch zwei Tage bis zur Pensionierung und trägt bestimmt irgendwo ein rotes Hemd drunter. Und Chris Pine: Ehemals Captain Kirk im schlechtesten Star-Trek-Film aller Zeiten, heute ein junger aufstrebender Lokführer in der Probezeit, zudem halb geschieden und bei seinem Bruder nächtigend, solange die einstweilige Verfügung ihn von seiner Familie fernhält - ich glaube, ihr versteht schon, worum es hier geht. Die Zeiten haben sich geändert, aber nicht die Anzahl der Klischees. Diese beiden sind die einzigen Leute in dem Film, denen die Screentime es erlaubt, einen Hintergrund zu haben, aber ihre Lebensgeschichte stammt aus dem Setzbaukasten für Katastrophenfilme. Aber wir erfahren quasi alles Mögliche über sie - weil sie alle Zeit der Welt haben und von der eigentlichen Handlung bis zur zweiten Hälfte des Films NICHTS MITKRIEGEN!
Stattdessen die Schnitte zur Kommandozentrale und zu Ned, dem einzigen wirklich coolen Charakter im Film (also meiner Meinung nach, weil er lange Haare hat, einen Pickup fährt und die Synchronstimme von Biff aus "Zurück in die Zukunft" hat). Sie versuchen, zu retten, was zu retten ist - allerdings wollen die Leute in der Kommandozentrale, die um das Leben der vielen potentiellen Opfer besorgt sind, den Zug an ungefährlicher Stelle entgleisen lassen; die Machthaber in der Firmenzentrale hingegen haben andere Sorgen: "Wie wird sich unsere Aktie entwickeln, wenn der Zug zerstört wird?" "Minus 40 Prozent." Ist gebongt, wir starten einen halsbrecherischen Versuch mit einem Kriegshelden aus Afghanistan und einer Lok mit einem weiteren Veteranen der Eisenbahn als Lokführer, der wahrscheinlich auch nur zwei Tage bis zur Pensionierung hat...
Hier will ich mit den Spoilern mal lieber aufhören, aber jeder, der genug Katastrophenfilme gesehen hat, weiß ungefähr, wie der Hase läuft. Die Situation spitzt sich immer mehr zu, dann greifen irgendwann die Helden ein, geraten in ein paar auswegslose Situationen, schaffen es am Ende aber doch... Oder? Schaffen sie es denn alle? Tja, wenn ihr den Film noch sehen wollt, verrate ich davon lieber nichts. Und ich muss zugeben: Abgesehen von den Waggonladungen Klischees aus Katastrophenfilmen ist "Unstoppable" ziemlich spannend. Zwar nicht immer plausibel (wenn man den Kritiken der ausgerasteten Zugtechniker bei IMDB glauben darf, die diesen Film für hanebüchenen Unsinn halten), teilweise auch arg überdramatisiert (im Speziellen diese unnötigen Schnitte zu diesen absolut nervigen Schulkindern), aber spannend und für einen Katastrophenfilm gnädigerweise sehr kurz.
Im Grunde ist "Unstoppable" ein Katastrophenfilm mit hohem Actionanteil, der sich vornehmlich an Eisenbahnfans und Fans der beiden Hauptdarsteller richtet. Aber im Grunde ist es immer das Gleiche, wie schon vor bald vierzig Jahren: Der kleine Mann korrigiert den Fehler, den ein großer Idiot verursacht und den machtgierige große Männer zu ignorieren versuchen. Die Nebencharaktere haben keine nennenswerte Persönlichkeit, die dramatischen Szenen sind aufgesetzt, unnötige Nebenszenen stören den Fluss des Films und... Tony Scott, begreife endlich, dass nich jeder deiner Zuschauer unter ADS leidet wie du! Der Film ist spannend, das muss man ihm lassen. Wenn man einmal vergessen kann, dass er nur auf eine Art und Weise ausgehen kann, ist er spannend. Aber einmal sehen reicht völlig.
6/10 Punkte
Montag, 1. November 2010
Double Review: "Scott Pilgrim vs the World" und "R. E. D." (beide 2010)
Moin!
Der Monat ist wieder um, es wird Zeit für ein paar mehr oder minder geistreiche Filmkritiken von mir. Das Sommerloch ist auch um, dementsprechend können wir wieder die Zeit der verregneten Kinotage erwarten. Womit auch die Macher von Kinofilmen rechnen und sich normalerweise ihre besten Werke für diesen Zeitraum aufsparen. Na ja, zumindest war es vor einigen Jahren noch so - heutzutage kann man nie wissen, wann wirklich mal was Gutes im Kino kommt.
Dieses Mal hatten wir Glück: Gleich zwei echte Kracher haben hier den Weg ins Kino gefunden - und ich rede nicht von "Machete", der nebenbei bemerkt auch ein echter Partyfilm ist. Nein, heute bleiben wir mal lieber im FSK 12-14 Bereich mit den beiden in der Überschrift erwähnten Filmen. Einer handelt von den Tücken jugendlicher Liebe und Eifersucht, der andere ist eine Auseinandersetzung mit dem Älterwerden gemischt mit politischen Hintergründen und leichter Kritik am Überwachungsstaat Amerika.
Zuerst einmal widmen wir uns "Scott Pilgrim vs the World" von Edgar Wright, dem Schöpfer der beiden Klassiker "Shaun of the Dead" und "Hot Fuzz".
Wright gehört definitiv zu der Sorte Filmemacher, denen es schwer fällt, ein Thema wirklich ernst zu nehmen. Das ist eine Eigenschaft, für den man ihn aber einfach lieben muss. Mit "Shaun of the Dead" hat er einen Zombiefilm gedreht, der neben dem genretypischen Splatter auch hinreißende Ideen und Humor mitbringt, und "Hot Fuzz" ist trotz meiner Affinität zu 80er-Jahre-Buddy-Movies, die dort nach Strich und Faden vergackeiert werden, einer meiner absoluten Lieblingsfilme - oder auch gerade genau deswegen. Im Übrigen sieht seine IMDB-Liste eher mager aus, somit ist "Scott Pilgrim" sein erster großer Film seit "Hot Fuzz". Und dieses Mal spielt er nicht einmal in England, und der Hauptdarsteller ist nicht Simon Pegg (ja, ihr mögt ihn als Scotty aus dem neuen Star Trek kennen - für mich der einzige Lichtblick in dem Drecksfilm!).
Ja, aber: Wer spielt mit? Und worum gehts da? Beides ist schnell erzählt: Hauptdarsteller ist Michael Cera, ein junger, recht sympathischer Schauspieler, dessen Rollenauswahl ihn allerdings in die "schüchterner Verlierer" Schublade einordnen würde. Bekannt dürfte er seit "Juno" oder "Year One" sein, aber ich kenne ihn noch aus der Zeit bei der Serie "Arrested Development". Ihm zur Seite steht Mary Elizabeth Winstead - für Fans des Mainstream-Kinos: "Final Destination 3" und "Stirb Langsam 4.0" (Filmtochter von Bruce Willis). Im Grunde geht es darum, was ich schon angedeutet habe: Cera will bei Winstead landen - es ist ein Liebesfilm. Beide sind Anfang bis Mitte Zwanzig, also quasi jugendlich. Und im Weg ihrer Liebe stehen eifersüchtige Ex-Freunde (nein, Ex-Lover - ganz wichtig!) von Winstead. Der Eifersuchts-Teil ist auch erfüllt.
Hier endet die Reihe der "normalen" Elemente des Films. Denn anstatt dass es zu friedlichen Aussprachen mit den insgesamt sieben Ex-Lovern kommt oder zu einer zünftigen Prügelei im Hinterhof - moment, lasst es mich anders formulieren. Erinnert ihr euch an Mortal Combat? Oder Streetfighter? Der Film ist genauso. Und zwar nicht wie die Filme - wie die SPIELE!!! Um bei seiner Traumfrau zu landen, muss sich Cera nämlich durch die Reihen der Ex-Lover kämpfen, die sich allesamt zu irrsinnigen, visuell völlig durchgedrehten Duellen auf Leben und Tod stellen. Und während Cera sich abseits dieser Duelle eher schüchtern und zurückhaltend gibt, in den Kampfszenen dreht er richtig auf! Muss er auch - zu seinen Gegnern zählen "Superman" Brandon Routh und "Fantastic Four" Chris Evans (ich erwähnte den mal in meiner "Push"-Review...)
Ganz ehrlich, es ist eigentlich unbeschreiblich, was in diesem Film abgeht: Aufgesetzt wie ein typisches Videospiel aus dem Arcade-Zeitalter (vor allem die Prügelspiele) schlägt sich Cera durch Einzelkämpfe a la "Mortal Combat", kriegt dabei Punkte gutgeschrieben, steigt Level auf - das alles in teils Comicstil, teils Videospiel-Elementen eingeblendet. Nebenbei sorgen seine privaten Probleme (wenn man die so nennen kann) für abgedrehte Wendungen und biestige Kommentare seitens der übrigen weiblichen Besetzung. Aber das ist vollkommen egal - wenn er seine Konkurrenz zerlegt, wird nur noch gefeiert. Eine ganze Latte verschiedenster Anspielungen auf Video- und Comickultur runden das Szenario noch ab, und selbst wenn der Film schon am Ende zu sein scheint - ein Hammer folgt immer noch.
Damals bei "Hot Fuzz" lag ich lachend unterm Sofa, als ich sah, wie sie in der letzten halben Stunde vollkommen ausrasteten und ein halbes englisches Dorf zerballerten. Diese halbe Stunde aus "Hot Fuzz" haben sie mental auf den ganzen Film ausgeweitet. Wer auf Realismus steht, wird diesen Film hassen. Wer ruhige Liebesdramen erwartet, wird entsetzt aus dem Kino rennen. Wer aber was Verrücktes und zum Schreien Komisches sehen will, mit Action nahe dem "Final Fantasy VII" Film und dem Gefühl der guten alten Beat 'em Ups von den Spieleautomaten - der kommt an diesem Streifen nicht vorbei.
"Scott Pilgrim vs. the World" - für mich der ultimative Liebesfilm! Denn hier geht die Post ab!
10/10 Punkte
Der Film stellte mich allerdings auch vor ein Dilemma: Für jeden anderen Film wüsste ich mindestens einen Film, der dazu passt und den man sich im Anschluss prima angucken könnte. Nicht für diesen! Es gibt nichts Vergleichbares, weder damals noch heute, was auch nur ansatzweise in ein Double Feature passen würde. Oder anders ausgedrückt: Ich empfinde "Shoot 'em Up" als stilles Drama, verglichen mit diesem Streifen.
Aber da wir sonst nix Besseres zu tun hatten, schauten mein Vater und ich einen Altherrenfilm an: "R.E.D."
Zur Erklärung: "R.E.D." steht für "Retired - Extremely Dangerous". Dieser Begriff wird zumindest im gleichnamigen Film für Ex-CIA-Agenten im Ruhestand verwendet, die eigentlich zu alt sind, um noch reihenweise Leute umzulegen. Damit sind Leute wie Morgan Freeman (jetzt fragt mich nicht, wer das ist - jeder Kinogänger kennt ihn!), John Malkovich ("Con Air" - ja, ich weiß, er hat bessere Filme gemacht) und Helen Mirren ("Teaching Mrs. Tingle" - und weil ihr es seid: "Die Queen"). Ach, und natürlich den Kerl aller Kerle: Bruce Willis. Und er wird langsam echt zu alt für den Sch***!
Es beginnt in der Vorweihnachtszeit, wo Willis aus dem Haus tritt, die Dekoration seiner Nachbarn sieht und sich denkt, von Flughäfen und Hochhäusern sollte er sich doch lieber fernhalten. Sein Leben als alter Mann ist recht ereignislos - er zieht eine Avocado hoch, telefoniert mit seiner Sozialarbeiterin, in die er ein bisschen verschossen ist, bringt ein Dutzend Killer mit automatischen Waffen um - das Übliche halt. Nur das mit den Killern passiert nicht mehr so oft.
Also gabelt er seine Sozialarbeiterin auf, denn es liegt ihm etwas an ihr und er will nicht, dass ihr etwas passiert. Da er aber vermutet, dass hinter der Umgestaltung seiner Hauses und dem Killerkommando wohl sein alter Arbeitgeber, die CIA, steckt, muss sie eben auch aus der Schusslinie. (Sie sieht das nicht so, aber dafür gibt es ja Klebeband.) Ein Möchtegern-CIA-Yuppie mit geringen moralischen Ambitionen kriegt den Auftrag, seinen Ruhestand etwas zu vertiefen, und heftet sich an seine Fersen. Worauf Willis nichts weiter bleibt, als seine alte Truppe von damals zu reaktivieren: Morgan Freeman, John Malkovich und Helen Mirren.
Also dieser Film ist kein Thriller. Es geht nicht darum, wer jetzt was macht und um was es überhaupt geht. Das ist nur der Aufhänger für Witz und Geballer. Und ich meine Geballer. Die Altleute-Riege hält nicht viel von Heimlichkeit wie "Mission Impossible" oder die Bourne-Filme - hier wird mit Blei um sich geschmissen, als würde das Zeug nix kosten. Und alle haben einen Heidenspaß dabei - alleine die Dame Helen Mirren, nach ihrem Portrait als Queen Elizabeth, gibt einem das Gefühl, sie hätte wirklich mal für den MI6 Leute umgenietet. Aber das absolute Highlight des Films ist John Malkovich - der ist jenseits aller Zurechnungsfähigkeit, eine Art altgewordener "A-Team"-Murdoc. Und: Das Schwein! Achtet auf das Schwein!
Der Witz an dem ganzen Film ist natürlich, dass die Hauptdarsteller wirklich viel zu alt für den Kram sind. Willis macht das, was ihn vor 25 Jahren berühmt gemacht hat; die übrigen Darsteller helfen ihm nach Kräften. Es ist altmodische Action mit heftigem Augenzwinkern, einer James-Bond-Version von "The Expendables" nicht unähnlich. Nur hier ist immer noch der Kontrast zu den jungen Leuten - zynischen, karrieregeilen Leuten wie Haupt-Gegenspieler Karl Urban ("Herr der Ringe", "Doom", "Bourne-Verschwörung"). Die würden sich wohl auch eher einen bis ins kleinste Detail ausgearbeiteten Plan für den großen Schachzug der Heldengruppe vorstellen - dementsprechend gucken sie auch verdutzt aus der Wäsche, als Queen Mirren mit einer überaus großkalibrigen stationären Maschinenkanone in einem Parkhaus Autos zersiebt.
Einen Wermutstropfen hat dieser Film allerdings: Wer Morgan Freeman kennt und mag, sollte von seiner Rolle nicht allzu viel erwarten. Und das Finale erinnert in seiner Machart und seiner Idee an den Showdown aus "Stirb Langsam 4.0", welcher nach der anderthalbstündigen Actionorgie auch ziemlich unspektakulär endet. Wahrscheinlich alles Absicht, aber ich bin kein großer Fan von minimalistischen Showdowns.
"R.E.D." ist eine moderne Actionkomödie mit einer Liste von Hauptdarstellern, die wie in Actionfilmen der alten Schule agieren und ihr eigenes Alter auf die Schippe nehmen. Der Witz stimmt punktgenau, die Action ist klasse, die Charaktere (zumindest auf guter Seite) sind liebenswert. Ein Film für Jung und Alt. Quasi für die Mittelalten.
9/10 Punkte
Der Monat ist wieder um, es wird Zeit für ein paar mehr oder minder geistreiche Filmkritiken von mir. Das Sommerloch ist auch um, dementsprechend können wir wieder die Zeit der verregneten Kinotage erwarten. Womit auch die Macher von Kinofilmen rechnen und sich normalerweise ihre besten Werke für diesen Zeitraum aufsparen. Na ja, zumindest war es vor einigen Jahren noch so - heutzutage kann man nie wissen, wann wirklich mal was Gutes im Kino kommt.
Dieses Mal hatten wir Glück: Gleich zwei echte Kracher haben hier den Weg ins Kino gefunden - und ich rede nicht von "Machete", der nebenbei bemerkt auch ein echter Partyfilm ist. Nein, heute bleiben wir mal lieber im FSK 12-14 Bereich mit den beiden in der Überschrift erwähnten Filmen. Einer handelt von den Tücken jugendlicher Liebe und Eifersucht, der andere ist eine Auseinandersetzung mit dem Älterwerden gemischt mit politischen Hintergründen und leichter Kritik am Überwachungsstaat Amerika.
Zuerst einmal widmen wir uns "Scott Pilgrim vs the World" von Edgar Wright, dem Schöpfer der beiden Klassiker "Shaun of the Dead" und "Hot Fuzz".
Wright gehört definitiv zu der Sorte Filmemacher, denen es schwer fällt, ein Thema wirklich ernst zu nehmen. Das ist eine Eigenschaft, für den man ihn aber einfach lieben muss. Mit "Shaun of the Dead" hat er einen Zombiefilm gedreht, der neben dem genretypischen Splatter auch hinreißende Ideen und Humor mitbringt, und "Hot Fuzz" ist trotz meiner Affinität zu 80er-Jahre-Buddy-Movies, die dort nach Strich und Faden vergackeiert werden, einer meiner absoluten Lieblingsfilme - oder auch gerade genau deswegen. Im Übrigen sieht seine IMDB-Liste eher mager aus, somit ist "Scott Pilgrim" sein erster großer Film seit "Hot Fuzz". Und dieses Mal spielt er nicht einmal in England, und der Hauptdarsteller ist nicht Simon Pegg (ja, ihr mögt ihn als Scotty aus dem neuen Star Trek kennen - für mich der einzige Lichtblick in dem Drecksfilm!).
Ja, aber: Wer spielt mit? Und worum gehts da? Beides ist schnell erzählt: Hauptdarsteller ist Michael Cera, ein junger, recht sympathischer Schauspieler, dessen Rollenauswahl ihn allerdings in die "schüchterner Verlierer" Schublade einordnen würde. Bekannt dürfte er seit "Juno" oder "Year One" sein, aber ich kenne ihn noch aus der Zeit bei der Serie "Arrested Development". Ihm zur Seite steht Mary Elizabeth Winstead - für Fans des Mainstream-Kinos: "Final Destination 3" und "Stirb Langsam 4.0" (Filmtochter von Bruce Willis). Im Grunde geht es darum, was ich schon angedeutet habe: Cera will bei Winstead landen - es ist ein Liebesfilm. Beide sind Anfang bis Mitte Zwanzig, also quasi jugendlich. Und im Weg ihrer Liebe stehen eifersüchtige Ex-Freunde (nein, Ex-Lover - ganz wichtig!) von Winstead. Der Eifersuchts-Teil ist auch erfüllt.
Hier endet die Reihe der "normalen" Elemente des Films. Denn anstatt dass es zu friedlichen Aussprachen mit den insgesamt sieben Ex-Lovern kommt oder zu einer zünftigen Prügelei im Hinterhof - moment, lasst es mich anders formulieren. Erinnert ihr euch an Mortal Combat? Oder Streetfighter? Der Film ist genauso. Und zwar nicht wie die Filme - wie die SPIELE!!! Um bei seiner Traumfrau zu landen, muss sich Cera nämlich durch die Reihen der Ex-Lover kämpfen, die sich allesamt zu irrsinnigen, visuell völlig durchgedrehten Duellen auf Leben und Tod stellen. Und während Cera sich abseits dieser Duelle eher schüchtern und zurückhaltend gibt, in den Kampfszenen dreht er richtig auf! Muss er auch - zu seinen Gegnern zählen "Superman" Brandon Routh und "Fantastic Four" Chris Evans (ich erwähnte den mal in meiner "Push"-Review...)
Ganz ehrlich, es ist eigentlich unbeschreiblich, was in diesem Film abgeht: Aufgesetzt wie ein typisches Videospiel aus dem Arcade-Zeitalter (vor allem die Prügelspiele) schlägt sich Cera durch Einzelkämpfe a la "Mortal Combat", kriegt dabei Punkte gutgeschrieben, steigt Level auf - das alles in teils Comicstil, teils Videospiel-Elementen eingeblendet. Nebenbei sorgen seine privaten Probleme (wenn man die so nennen kann) für abgedrehte Wendungen und biestige Kommentare seitens der übrigen weiblichen Besetzung. Aber das ist vollkommen egal - wenn er seine Konkurrenz zerlegt, wird nur noch gefeiert. Eine ganze Latte verschiedenster Anspielungen auf Video- und Comickultur runden das Szenario noch ab, und selbst wenn der Film schon am Ende zu sein scheint - ein Hammer folgt immer noch.
Damals bei "Hot Fuzz" lag ich lachend unterm Sofa, als ich sah, wie sie in der letzten halben Stunde vollkommen ausrasteten und ein halbes englisches Dorf zerballerten. Diese halbe Stunde aus "Hot Fuzz" haben sie mental auf den ganzen Film ausgeweitet. Wer auf Realismus steht, wird diesen Film hassen. Wer ruhige Liebesdramen erwartet, wird entsetzt aus dem Kino rennen. Wer aber was Verrücktes und zum Schreien Komisches sehen will, mit Action nahe dem "Final Fantasy VII" Film und dem Gefühl der guten alten Beat 'em Ups von den Spieleautomaten - der kommt an diesem Streifen nicht vorbei.
"Scott Pilgrim vs. the World" - für mich der ultimative Liebesfilm! Denn hier geht die Post ab!
10/10 Punkte
Der Film stellte mich allerdings auch vor ein Dilemma: Für jeden anderen Film wüsste ich mindestens einen Film, der dazu passt und den man sich im Anschluss prima angucken könnte. Nicht für diesen! Es gibt nichts Vergleichbares, weder damals noch heute, was auch nur ansatzweise in ein Double Feature passen würde. Oder anders ausgedrückt: Ich empfinde "Shoot 'em Up" als stilles Drama, verglichen mit diesem Streifen.
Aber da wir sonst nix Besseres zu tun hatten, schauten mein Vater und ich einen Altherrenfilm an: "R.E.D."
Zur Erklärung: "R.E.D." steht für "Retired - Extremely Dangerous". Dieser Begriff wird zumindest im gleichnamigen Film für Ex-CIA-Agenten im Ruhestand verwendet, die eigentlich zu alt sind, um noch reihenweise Leute umzulegen. Damit sind Leute wie Morgan Freeman (jetzt fragt mich nicht, wer das ist - jeder Kinogänger kennt ihn!), John Malkovich ("Con Air" - ja, ich weiß, er hat bessere Filme gemacht) und Helen Mirren ("Teaching Mrs. Tingle" - und weil ihr es seid: "Die Queen"). Ach, und natürlich den Kerl aller Kerle: Bruce Willis. Und er wird langsam echt zu alt für den Sch***!
Es beginnt in der Vorweihnachtszeit, wo Willis aus dem Haus tritt, die Dekoration seiner Nachbarn sieht und sich denkt, von Flughäfen und Hochhäusern sollte er sich doch lieber fernhalten. Sein Leben als alter Mann ist recht ereignislos - er zieht eine Avocado hoch, telefoniert mit seiner Sozialarbeiterin, in die er ein bisschen verschossen ist, bringt ein Dutzend Killer mit automatischen Waffen um - das Übliche halt. Nur das mit den Killern passiert nicht mehr so oft.
Also gabelt er seine Sozialarbeiterin auf, denn es liegt ihm etwas an ihr und er will nicht, dass ihr etwas passiert. Da er aber vermutet, dass hinter der Umgestaltung seiner Hauses und dem Killerkommando wohl sein alter Arbeitgeber, die CIA, steckt, muss sie eben auch aus der Schusslinie. (Sie sieht das nicht so, aber dafür gibt es ja Klebeband.) Ein Möchtegern-CIA-Yuppie mit geringen moralischen Ambitionen kriegt den Auftrag, seinen Ruhestand etwas zu vertiefen, und heftet sich an seine Fersen. Worauf Willis nichts weiter bleibt, als seine alte Truppe von damals zu reaktivieren: Morgan Freeman, John Malkovich und Helen Mirren.
Also dieser Film ist kein Thriller. Es geht nicht darum, wer jetzt was macht und um was es überhaupt geht. Das ist nur der Aufhänger für Witz und Geballer. Und ich meine Geballer. Die Altleute-Riege hält nicht viel von Heimlichkeit wie "Mission Impossible" oder die Bourne-Filme - hier wird mit Blei um sich geschmissen, als würde das Zeug nix kosten. Und alle haben einen Heidenspaß dabei - alleine die Dame Helen Mirren, nach ihrem Portrait als Queen Elizabeth, gibt einem das Gefühl, sie hätte wirklich mal für den MI6 Leute umgenietet. Aber das absolute Highlight des Films ist John Malkovich - der ist jenseits aller Zurechnungsfähigkeit, eine Art altgewordener "A-Team"-Murdoc. Und: Das Schwein! Achtet auf das Schwein!
Der Witz an dem ganzen Film ist natürlich, dass die Hauptdarsteller wirklich viel zu alt für den Kram sind. Willis macht das, was ihn vor 25 Jahren berühmt gemacht hat; die übrigen Darsteller helfen ihm nach Kräften. Es ist altmodische Action mit heftigem Augenzwinkern, einer James-Bond-Version von "The Expendables" nicht unähnlich. Nur hier ist immer noch der Kontrast zu den jungen Leuten - zynischen, karrieregeilen Leuten wie Haupt-Gegenspieler Karl Urban ("Herr der Ringe", "Doom", "Bourne-Verschwörung"). Die würden sich wohl auch eher einen bis ins kleinste Detail ausgearbeiteten Plan für den großen Schachzug der Heldengruppe vorstellen - dementsprechend gucken sie auch verdutzt aus der Wäsche, als Queen Mirren mit einer überaus großkalibrigen stationären Maschinenkanone in einem Parkhaus Autos zersiebt.
Einen Wermutstropfen hat dieser Film allerdings: Wer Morgan Freeman kennt und mag, sollte von seiner Rolle nicht allzu viel erwarten. Und das Finale erinnert in seiner Machart und seiner Idee an den Showdown aus "Stirb Langsam 4.0", welcher nach der anderthalbstündigen Actionorgie auch ziemlich unspektakulär endet. Wahrscheinlich alles Absicht, aber ich bin kein großer Fan von minimalistischen Showdowns.
"R.E.D." ist eine moderne Actionkomödie mit einer Liste von Hauptdarstellern, die wie in Actionfilmen der alten Schule agieren und ihr eigenes Alter auf die Schippe nehmen. Der Witz stimmt punktgenau, die Action ist klasse, die Charaktere (zumindest auf guter Seite) sind liebenswert. Ein Film für Jung und Alt. Quasi für die Mittelalten.
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